Gastbeitrag – Oma Simone (meine Mama)

Liebe Mama, wie ich mich freue, dass du über deinen Schatten gesprungen bist und ein paar tolle Zeilen aufs Papier gezaubert hast😘. Ich bin sehr dankbar das du immer für uns da bist & du deine Enkelkinder so oft es geht besuchen kommst und so bedingungslos liebst! Auch wenn ihr euch mal eine längere Zeit nicht gesehen habt, spürt man sofort die Verbindung und Liebe zwischen euch. Und nun deine Gedanken.

Nun endlich mal ein paar Zeilen von mir, deiner „kleinen“ Oma aus Schwerin.

Ich werde den Tag deiner Geburt niemals vergessen. Du bist mein erstes Enkelkind auf das ich schon so lange gewartet habe. Ich bin voller Aufregung ins Krankenhaus gestürmt, hoch zur Entbindungsstation. Anschließend sind Opa und ich mit deinen Eltern zusammen zu dir auf die Neonatologie gegangen. Auf dem Weg zu dir, haben uns deine Eltern ganz vorsichtig aber dennoch auch sehr direkt und offen darauf vorbereitet, das du etwas ganz Besonderes bist – weil du ein Extra mit in die Familie gebracht hast, das du, mein lieber Ben, Trisomie 21 hast. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das ich nicht einen Moment gebraucht hätte darüber nachzudenken. Ich war etwas verwirrt und auch ein bisschen erschrocken. Dann habe ich dich in deinem Bettchen liegen sehen und muss gestehen – es war Liebe auf den ersten Blick. Und alle Bedenken waren wie verflogen. Du bist zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Familie geboren worden!

Ich kann mich auch noch an so manche Gespräche, die ich mit guten Freunden geführt habe, erinnern. Keiner, aber auch wirklich kein Einziger hat komisch, abwertend oder „ähnliches“ reagiert. Ich erzähle auch jedem, wie stolz ich auf dich bin. Du lieber Ben, gibst uns so viel Gutes und ich muss ganz ehrlich sein, so ein gut erzogenes Kind habe ich noch nicht erlebt. Es macht richtig Spaß mit dir zusammen zu sein. Das ist auch ein Lob an deine Eltern. Du bist gefühlt immer gut drauf, neugierig und sehr ausgeglichen, eben ein glückliches Kind. Als deine niedliche Schwester geboren wurde, war die Familie komplett, oder??? Du gehst sehr liebevoll mit Leni um, du bist ja auch schließlich der große Bruder.

Lieber Ben, in deinen fast 3 Jahren auf dieser Erde hast du schon unheimlich viel über dich ergehen lassen müssen und das hast du alles mit Bravur gemeistert. Mach weiter so!!

Deine Oma.

INKLUSION – ich bin ein INKLUENCER

Wusstet ihr eigentlich das ein Kleeblatt normalerweise 3 Blätter hat? Das geben die Gene her. In den Erbanlagen schleichen sich aber auch mal „Fehler“ ein. Dann entsteht das vierblättrige Kleeblatt. Das ist ein Gendefekt – ist es denn auch gleichzeitig eine Behinderung🤔🤷‍♀️?! Da dieser Defekt selten ist, hat man Glück, wenn man ein vierblättriges Kleeblatt findet.

Das bedeutet für mich: Der Mensch hat „eigentlich“ 46 Chromosomen in jeder Körperzelle. So will es die Natur und das geben die Gene her. Wie in der Pflanzenwelt schleichen sich auch in der menschlichen Welt mal Extras mit ein! Dann entwickelt sich ein Lebewesen mit 47 statt 46 Chromosomen. Auch das ist ein Gendefekt und nennt sich Trisomie 21 und ist auch besser als Down Syndrom bekannt. Und es ist eine geistige wie körperliche Behinderung! Da dieser Defekt eher selten ist, hat man Glück, wenn man eines dieser wunderbaren Babys sein Kind nennen darf. Und was im Gegensatz zur Natur noch viel besser ist, wir müssen das Glück nicht suchen – es hat sich uns ausgesucht und gefunden.

Leider fehlt es noch immer an allen Ecken und Kanten an Aufklärung. Ich habe selber ein Kind mit einer Besonderheit, um es „nett“ auszudrücken oder mit einer Behinderung, um es „realistisch“ auszudrücken. In welchem Umfang wissen wir erst in eine paar Jahren. Aber wichtig ist die Förderung im frühkindlichen Alter – damit fängt für mich Inklusion an!

Die Influencer-Aktion ist übrigens von der Aktion Mensch ins Leben gerufen worden!

Wie alles begann… Fortsetzung 12

Der letzte Tag im Krankenhaus.

Endlich war er nun also da, der heiß ersehnte Tag der Entlassung. Das Schlaflabor und seine Werte meinten es gut mit uns. Wir dürfen unseren kleinen Krümel – so nannten wir Ben Noah während meiner Schwangerschaft – endlich mit nach Hause nehmen.

So sehr wir uns diesen Moment wünschten, so sehr holte uns im gleichen Moment die Aufregung ein. Ist alles optimal vorbereitet? Haben wir an alles gedacht? Ich bin ein kleiner Perfektionist🙄. Wie wird die erste Nacht? Wie läuft das Stillen? Was ist wenn wir den Inhalt des Reanimationskurses tatsächlich zu Hause anwenden müssen? Können wir uns in dem Moment an alles erinnern? Sind wir schon bereit für den großen NachHauseKommenSchritt? Kommen wir auch ohne die helfenden Hände der Schwestern zu recht? Aus der Aufregung wurde immer mehr die Befürchtung, ob wir dem Ganzen gerecht werden können und die Frage, ob wir dem Ganzen überhaupt gewachsen sind.

Mir wurde schlagartig erstmals richtig bewusst, wie „unbeschwert“ wir die ersten Tage erlebt haben, trotz einiger kritischer Momente! Wir wussten das Ben zu jedem Zeitpunkt bestens aufgehoben war und das er alles bekam was er brauchte und zwar uneingeschränkt von jedem einzelnen Mitarbeiter dieser tollen Station 7. Wir konnten bei allem was uns unklar war nachfragen und um Hilfe bitten. Das würde jetzt, ab sofort, abrupt vorbei sein und wir sollten und mussten alles alleine stemmen. Wir sind jetzt auf uns gestellt. Wir sind jetzt Eltern die die volle Verantwortung für ihr Kind zu Hause zu tragen haben, ohne das Jemand in brenzligen Situationen zur Hilfe eilen kann.

Den Reanimationskurs machten wir gemeinsam mit einer Ärztin. Ich kann mich noch ganz dunkel an diesen kleinen Babykörper erinnern. Wir waren in einem Zimmer vom Schlaflabor. Auf dem Bett lag eine Babypuppe. Uns wurde gezeigt, wie wir das Baby im Fall der Fälle hinlegen müssen, wie wir den Kopf platzieren müssen (anders als bei Erwachsenen), wie oft wir die Herz-Druck-Massage in Verbindung mit einer Lungenbeatmung machen müssen. Womit wir beginnen müssen und mit welcher Intensität. Das wir mit der Mund-zu-Mund-Beatmung anfangen – anders als bei Erwachsenen. Wir waren sehr zaghaft mit Allem – zu zaghaft, wir mussten lernen und verinnerlichen die Herz-Druck-Massage mit unseren 2 Fingern viel beherzter anzugehen und mussten verstehen lernen das es viel schlimmer ist, wenn unser Baby nicht mehr atmet als das wir ihm wehtun könnten. Das wir mit so viel Kraft Luft in seinen kleinen, zarten Brustkorb pusten müssen, das sich dieser hebt. Er muss sich heben, sonst zeigt die Mund-zu-Mundbeatmung keine Wirkung. Schreckliche Vorstellungen. Die Ärztin erklärte uns alles bis ins Detail und nahm sich sehr viel Zeit für uns und unsere Fragen. So zuvorkommend und immer mit einem offenen Ohr für uns, so kannten wir den Umgang mit uns Eltern von Anfang an! Wir besprachen was wir machen müssen, wenn unsere Bemühungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen🥺. Den Notruf wählen und so lange weitermachen bis dieser eintrifft. Die Angst nach Hause zu gehen stieg ins Unermessliche und gleichzeitig freuten wir uns auch so sehr auf unser weiteres Kennenlernen in ruhiger und heimischer Umgebung! Werden wir uns im Zweifelsfall an alles erinnern was uns gezeigt und erklärt wurde????

Wir haben ein Beiblatt für den „WORST CASE“ für Hause mitbekommen. Bitte lass niemals einen WORST CASE eintreffen, dachten wir unausgesprochen.

Wie alles begann… Fortsetzung 8

…also was bedeutete die Gabe von Koffein für Ben, was bedeutet es für uns?!

Noch am nächsten Morgen konnte die Magensonde gezogen werden. Ein Glück, uns ist so ein Stein vom Herzen gefallen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen mit welchen Bildern im Kopf wir ins Krankenhaus gefahren sind. Wir hatten so eine Angst unser Kind zu sehen, wie es da liegt mit dieser Sonde. Alles drehte sich im Bauch. Dieser Kloß im Hals wurde immer dicker – wir wussten nicht was der Tag noch bringt. Und dann durchströmte uns die pure Erleichterung! Ben hatte wieder getrunken😅🙏.

Diese gute Nachricht wurde aber schnell vom Thema Koffein überschattet! Auf Grund der Tatsache das Bens Sauerstoffsättigung immer wieder abfiel, wurde ihm dieses verabreicht. Um die Kinder vor einer Apnoe (Atemstillständen) – die länger als 15 Sekunden andauern- zu bewahren, wird Frühchen Koffein verabreicht. Das Koffein hilft dem Neugeborenen dabei, besser zu atmen. Anscheinend werden Gehirnstrukturen stimuliert, die die Atmung kontrollieren.

Die Gabe des Koffeins erleichterte uns aus aufgeführten Gründen, beunruhigte uns aber auch gleichzeitig. Wir empfanden Bens Atmung jetzt so unruhig und hektisch. Das verunsicherte uns! Wir wollten mit einem Arzt sprechen. Dieser nahm uns die Aufregung wieder. Trotzdem standen wir vor Bens Bettchen und beobachteten ihn und seine Vitalwerte mit kritischen und zweifelnden Blicken. Es ist ein bedrückendes Gefühl gewesen, wir hatten uns gewünscht, das Ben kein Koffein benötigt. Wir waren & fühlten uns in dieser Hinsicht so machtlos, wir konnten es nicht verhindern oder mitentscheiden, ob ihm das Medikament verabreicht wird oder auch nicht. Er brauchte es, das war und ist Fakt. Und natürlich vertrauten wir den Ärzten und auch dieser Entscheidung und wollten das sie alles tun was für Ben das Beste ist. Was ich mit machtlos meine ist – das uns als Eltern in bestimmten Situationen einfach die Hände gebunden sind und wir nichts tun können, egal wie sehr wir es uns auch wünschen – wir müssen es so hinnehmen – das löst oftmals ein Ohnmachtsgefühl in mir aus!

Die Ärzte besprachen mit uns, dass Ben am nächsten Morgen ins Schlaflabor geht. Danach sollte sich entscheiden, ob wir ihn schon ganz bald mit nach Hause nehmen dürfen oder ob er noch bleiben muss?!

Es macht sehr viel mit einem, wenn man sein Kind dann dort liegen sieht – auch wenn es gar nichts „schlimmes oder schmerzvolles“ ist.

Wie alles begann… Fortsetzung 7

Es war der 28.01.2017, der Moment den ich, den wir so gefürchtet hatten. Der Tag begann eigentlich sehr gut, gestaltete sich im Laufe der Zeit jedoch nicht wie die vorherigen. Ben hatte sehr viel geschlafen, war immer wieder so schnell müde und getrunken hatte er auch sehr schlecht. Sein Gelbwert war erneut nicht in Ordnung, er musste wieder unters „blaue Licht“.

Und nebenbei wurde auch immer wieder die Sauerstoffsättigung thematisiert. Diese ist während Bens Schlafphasen häufig abgefallen – da war er wieder dieser schreckliche Piepton – jetzt hatte er auch unsere volle Aufmerksamkeit.

Bens Vitalwerte wurden, wie bei all den anderen kleinen Menschenkindern auf dieser Station, rundum die Uhr überwacht. Bei jedem Ton zuckten wir zusammen und schauten auf den Monitor. Wieder war seine Sauerstoffsättigung gesunken. Periodische Atmung nennt man das. Das mit dem Trinken funktionierte zudem heute auch gar nicht. Immer wieder mussten wir die Schwestern um Hilfe bitten. Ich kam mir so unfähig und hilflos vor. Wir schafften es nicht unserem Kind die Flasche bzw. Nahrung zu geben. Ben trank bei uns einfach nicht. Wir versuchten alle uns gezeigten Tricks wie unterm Kinn leichte Impulse geben, den Rücken ausstreichen, die Fußsohlen leicht drücken, nichts half – und auch bei den Schwestern gestaltete es sich immer schwerer. Im Laufe des Tages wurde eine Magensonde thematisiert😳. Warum? Es ging doch 6 Tage alles bestens und Stück für Stück voran. Jetzt wurden wir zurück auf den Boden der Tatsachen geholt! Es fühlte sich wie ein Schlag ins Gesicht an! Ich konnte nicht verstehen was jetzt das Problem war? Wie erstarrt hielt ich mein Kind im Arm und schaute Ben voller Angst und Unsicherheit an.

Alles was ich tun konnte war mit ihm zu kuscheln, ihm meine Wärme und Geborgenheit zu schenken. Unter Tränen, voller Verzweiflung und schweren Herzens ließen wir nach mehreren Gesprächen mit den Schwestern Ben am Abend wieder alleine auf der Neonatologie zurück. Eine für mich unerträgliche Situation voller Schuldgefühle nicht bei ihm zu sein, voller Ungewissheit was die Nacht bringt und einfach nur pure Hilflosigkeit. Wir haben mit den Schwestern verabredet das wir gegen 22 Uhr telefonieren, um zu erfahren wie es Ben geht. Leider teilte man uns mit, dass Ben die angesprochene Magensonde bekommen hat und das seine Sauerstoffsättigung immer wieder abfiel und er deswegen Koffein bekommen hat.

Was das bedeutet war uns zu dem Zeitpunkt noch nicht klar….

Wusstest du schon?

Ich habe mir überlegt, wie ich wohl ganz unkompliziert und heimlich😬 nebenbei den Einen oder Anderen mit Informationen zum Down Syndrom erreichen kann ohne dabei lehrhaft zu wirken oder lange wissenschaftliche Texte zu verfassen.

Meine Idee💡,ich werde ab sofort regelmäßig „Wusstest du schon“ (vielen Dank 😘an meine liebe Freundin Kira fürs lettern) veröffentlichen. Es werden kurze, knappe Fakten zum Thema Down Syndrom sein.

Beginnen wir heute mit dem Wort HYPOTONIE = verminderte Muskelspannung

Beispiel = die Zunge tritt leicht aus dem Mund hervor.

Wie alles begann – Zissy … Eine Reaktion

Vorwort

Liebe Zissy, vielen ❤️ Dank für deine überraschend schnelle Reaktion auf meine Nachfrage, ob du etwas für den Blog schreiben würdest / möchtest?! Ich war gestern Abend ziemlich getroffen (im positiven Sinn😘) und gerührt von deiner Nachricht 😭 – und du dachtest du findest nicht die richtigen Worte!! Da dein Geschriebenes so perfekt zu dem gestrigen Beitrag passt, muss ich ihn heute einfach zeigen…❤️ Los geht es.

Als ich gestern meine Tochter von der Kita abgeholt habe, habe ich meinen Freund Ben getroffen. Unglaublich wie freundlich dieser kleine Kerl immer ist…

Ich war so voller Vorfreude, als mein Lieblings-Kumpel Sladdi mir verkündet hat, dass er auch Vater wird! Sladdi- wir beide- ich mit Tochter und du mit Sohn
Genialer geht es doch nicht !

Als Christin mich gestern gefragt hat, ob ich einen Blogeintrag schreiben könnte, hatte ich ein wenig Angst, ob ich die richtigen Worte finde, aber als gestern nochmal die WhatsApp zur Geburt von Ben in den Blog gestellt wurde, waren wieder alle Emotionen da.
Noch vor dieser Gruppen WhatsApp hat Christoph mich voller Freude über Die Geburt von Ben informiert.

Endlich war er da…
Ich hab mich so gefreut für meinen Lieblings-Freund.

Einen Tag später piepste mein Handy wieder…
Die Nachricht traf mein Herz wie ein Donnerschlag.
Ich glaube ich habe die Worte meines Freundes 10 mal gelesen, weil mir immer wieder die Tränen kamen.

Alle Eltern wissen wie lebensverändernd ein Kind sein kann. Nichts ist mehr so wie es mal war und um ehrlich zu sein…manchmal ist es sogar ganz schön kräftezehrend und man hat Ängste die man vorher nie kannte.
Wie wird es also meinen Freunden ergehen? Denn ein Baby mit Besonderheiten fordert die beiden doch umso mehr!?!?

Ich googelte den ganzen Abend das Down Syndrom und wusste am Ende, dass ein ganzes Stück Arbeit auf Christin und Sladdi zukommen wird.
Ich stellte mir vor, dass die beiden vielleicht die gleichen Ängste haben.

Ich bewundere euch für alles was ihr für Ben macht, für all die Liebe, alle Hindernisse die ihr bewältigt, alle Arzttermine die ihr meistert, für all die Kämpfe die ihr für ihn kämpft.
Ihr macht euren Eltern-Job großartig. Ben hat Glück bei euch gelandet zu sein und ihr habt Glück so ein wunderbares Kind zu haben.

Wir als Freunde haben nichts weiter zu tun als den kleinen Kerl lieb zu haben und dieses Gefühl habe ich sofort empfunden als ich Ben das erste mal gesehen habe.

Wie alles begann… Fortsetzung 3

… endlich hielten wir Ben Noah das erste Mal in unserem Arm.

Dieser Moment war so überwältigend und gleichzeitig auch so ernst. Wir hatten gar nicht viel Zeit diesen mega schönen Augenblick der Dreisamkeit zu genießen. Klar wollten wir als Eltern auch wissen was das Ganze jetzt für Ben und natürlich auch uns bedeutet. Aber die Zeit des ruhigen Kennenlernens blieb uns leider verwehrt. Ben Neo

Ein Satz wird wohl nie wieder aus Christophs und meinem Kopf verschwinden: „Ben Noah scheint an allem vorbeigeschrammt zu sein.“ Okay, was bedeutet das denn jetzt? Das kann dir zu diesem Zeitpunkt leider auch noch niemand sagen und es wird sich auch kein Mensch auf dieser Welt dazu hinreißen lassen eine Prognose abzugeben. Die Bandbreite von bis ist einfach viel zu groß. Was uns zweifellos gesagt werden konnte und das ist auch für uns aber vor allem für Ben ein riesen Geschenk gewesen, das unser Schatz keinen Herzfehler hat. Ein erstes großes Aufatmen. Und auch sonst sah organisch alles wunderbar aus.

Ein Thema das mir mächtig Bauchschmerzen bereitet hat war, wird Ben laufen können? Aus dem sehr engen und vertrauten Familienkreis, weiß ich ansatzweise, wenn ich diese Einschränkung auch nicht in voller Gänze nachempfinden kann, was es bedeutet ein Kind zu haben das im Rollstuhl sitzt. Es ist eine unfassbar hohe körperliche Belastung, die mit den zunehmenden Jahren, Wachstum und Körpergewicht definitiv nicht leichter wird. Hut ab vor der Leistung aller betroffener Eltern, Geschwister, Pfleger dieser Welt und die ich jetzt vergessen habe.

Ein zweiter Satz der sich sehr bei uns eingebrannt hat: „Diese Kinder suchen sich ihre Eltern aus.“ Wenn man diese Worte das erste Mal gesagt bekommt, fühlt man sich sogar etwas besonders – vielleicht sogar so besonders wie Ben selbst. Im Laufe der folgenden Tage begegnete uns dieser Satz allerdings so häufig, das er für uns rein gar nichts mehr mit „besonders“ zu tun hatte. Uns ist bewusst, das uns ausschließlich Gutes damit getan werden sollte. Die Menschen um uns herum versuchten die „Tatsache“ mit solchen Sätzen zu rechtfertigen, so hatten wir zumindest manchmal das Gefühl. Sie wollten uns überzeugen das wir die „Auserwählten“ sind – aber nun glaubte man nicht mehr an das Besondere in seiner eigenen Person, dieser Satz hatte für uns seine Magie verloren und innerlich verdrehten wir die Augen, wenn wieder jemand diesen Satz begann. Wir liebten unseren Sohn, vom ersten Augenblick an zu 100%, durch die Diagnose vielleicht sogar noch ein ganzes Stück mehr. Egal welche Extras er mitgebracht hatte, wir waren fein mit der Situation. Ich weiß gar nicht recht wie ich das beschreiben soll – ich glaube das all die lieben Menschen um uns herum versuchten eine Bindung zwischen Ben und uns Eltern aufzubauen, die es natürlich seit dem ersten Moment der Geburt bereits gab. Wahrscheinlich hatten sie Befürchtungen, dass wir uns gegen unser Kind entscheiden könnten oder mit der Situation nicht zurecht kommen. Sie haben mit Sicherheit schon einige unbehagliche Momente mit anderen Eltern erlebt. Ich stelle diesen Gedankengang einfach in den Raum – ohne bösen Hintergedanken aber ich musste ihn loswerden. Ich möchte niemanden angreifen und möchte ausdrücklich betonen das wir einfach nur so froh über jede Unterstützung, Unterhaltung (denn wir wussten rein gar nichts über das Down Syndrom, außer das ein verkürztes Nasenbein ein Softmarker sein könnte), offenen Worte und Herzlichkeit waren.

An dieser Stelle sagen wir danke an ALLE jene die für uns da waren, die an uns geglaubt haben sowie die die auch heute noch an unserer Seite sind. Und wisst ihr was das aller geilste ist, niemand, wirklich kein einziger Mensch hat sich von uns abgewendet, im Gegenteil das Interesse ist riesengroß. Wir sind soooo mega stolz euch alle an unserer Seite zu wissen!

Trisomie 21

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich hier einen Text mit Quellenangabe vermerke oder ob ich versuche es mit eigenen Worten kurz und bündig zu beschreiben. Ich habe mich für 2. entschieden.

Das Down-Syndrom, bzw. wie es auch genannt wird, Trisomie 21, ist ein Fehler in der Chromosomenteilung. Menschen mit Trisomie 21 haben vom Chromosom 21 gleich 3 Exemplare, Menschen ohne eine Besonderheit:-) besitzen nur 2 davon. Dieses 3. zusätzliche Chromosom hat einen entscheidenden Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung. Und man kann sich gar nicht vorstellen wie viele Abstufungen es gibt.

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Wie alles begann…

… es war der 22.01.2017, morgens gegen 9:30 Uhr, ich erinnere mich noch recht gut. In der Nacht um 2:25 Uhr wurde Ben Noah Latzkow 5 Wochen zu früh geboren. Ich lag auf der Entbindungsstation in meinem Bett und schrieb Nachrichten und verkündete das freudige Ereignis.

Mein Mann kam ins Zimmer. Ich wunderte mich das er schon da war, er verließ erst gegen 6 Uhr morgens das Krankenhaus, nachdem er nochmal bei unserem Sohn auf der Neo (Neonatologie – Zweig der Medizin, der sich besonders mit der Physiologie und Pathologie Neugeborener befasst – Quelle Google Wörterbuch) war, er wollte sich zu Hause frisch machen und etwas hinlegen. Ich hatte nicht vor der Mittagszeit mit ihm gerechnet.

Da stand er nun mit roten Augen vor mir. Er bat mich mein Handy beiseite zu legen. Ich war nicht sicher was los war und fragte nach. Er sagte mit zitternder Stimme, das er mir etwas sagen müsse – ich glaub kaum jemand kann erahnen wie „unbehaglich“ diese Situation in diesem Moment für Christoph war und ich bin mir sicher er wird es nie vergessen – ihn hätten die Ärzte heute Nacht noch angesprochen und mit dem Verdacht konfrontiert das Ben sehr wahrscheinlich das Down Syndrom hat. Es würden einige sichtbare Softmarker wie Sandalenlücke, 4-Fingerfurche, die Schrägstellung der Augen, die Position der Ohren etc., dafür sprechen.

Christoph stand da und wartete auf meine Reaktion ich schaute ihm in die Augen und entgegnete ihm, ich weiß…

Fortsetzung folgt…

Es ist meiner Meinung nach zu intensiv und zu viel Input für einen einzigen Post, daher splitte ich die ersten Tage im Krankenhaus in mehrere Berichte.