Fortsetzung 2: Annehmen wie es ist…

… Irgendwann jetzt fing ich an zu verstehen, das die 90% Sicherheit gnadenlos von den 10% Eventualität aufgefressen wurden. Mit einem Mal wendete sich das Blatt so drastisch das da 100% im Raum standen.

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Schockmoment – hat nicht direkt was mit T21 zu tun – ist uns aber wichtig!!!

Ostermontag- Abendessen. Leni und Ben lassen sich noch ein Stück Gurke schmecken. Der Papa druckt gerade etwas aus und ist nicht im Raum. Ich sitze Ben gegenüber – mit einem Mal schaut er mich mit großen Augen an und bekommt keine Luft mehr. Ich springe auf und schreie parallel ganz hysterisch nach Christoph! Ich bin da und stehe irgendwie doch eher neben mir. Christoph reißt die Tür auf und fragt panisch was los ist – ich weiß gar nicht mehr was ich ihm genau gesagt habe… nur das er was tun soll – ich hatte das Gefühl die Situation komplett und hilflos aus der Hand zugeben – aber ich war wie erstarrt!!! Ich schnallte Ben ab und blickte immer wieder in sein von Panik verzogenes Gesicht und wollte einfach nur, das es aufhört! Ich wollte das er wieder atmet und alles gut ist! Christoph nahm Ben aus seinem Stuhl und steckte ihm den Finger in den Hals, er versucht Ben zum Würgen zu bringen – was auch augenscheinlich funktionierte – dann aber doch wieder in Panik überging, weil Ben immer noch nicht wirklich befreit gewesen ist. Christoph sagte nebenläufig das ich anrufen soll, er meinte einen Notdienst – ich blendete das aber vollkommen aus – ich konnte jetzt nicht weggehen, ich wusste auch gar nicht wo mein Handy liegt. Ich nahm Christoph Ben weg, drehte ihn auf den Kopf und klopfte mehrfach heftig auf seinen Rücken. In meiner Angst vielleicht zu heftig, vielleicht aber auch genau richtig🤷‍♀️?! Ben fing an zu weinen und in dem Augenblick wussten wir das diese Situation geschafft war. Ich nahm Ben wieder hoch, schaute in sein Gesicht und drückte ihn innig an meinen Körper. Ich setzte mich mit meinem weinenden und verängstigen Kind im Arm erschöpft auf den Boden und hielt Ben ganz fest.

Ich musste mich sehr zusammenreißen nicht mitzuweinen. Christoph kniete sich zu uns runter und hielt uns beide ganz fest, streichelte unsere Köpfe immer wieder und versicherte sich, ob es uns gut geht. Leni saß in ihrem Hochstuhl und beobachtete die Situation ganz ruhig. Dieser Moment ging sicher keine Minute – es kam uns aber vor wie eine Ewigkeit! Eine Ewigkeit der puren nackten Angst und Hilflosigkeit. Christoph sagte im Nachhinein, dass er das Stück Gurke im Hals spürte! Was für eine krasse und unfassbar beängstigende Situation. Nie wieder bitte – die Kinder bekommen die nächste Zeit, bis sich diese Erfahrung etwas gelegt hat, ganz sicher auch nur noch Scheiben und Kleingeschnittenes. Ich habe entsprechend recherchiert und möchte euch „erinnern“ was in so einem Fall zu tun ist. Vielleicht hilft es euch einmal in einer ähnlich brenzligen Situation?! Aber vorrangig hoffe ich sehr, dass es Jedem erspart bleibt!

Vorweg, sollte ein Erstickungsanfall drohen, weil ein Gegenstand verschluckt wurde – darf man KEINE Beatmung beginnen, solange sich der Fremdkörper noch in den Atemwegen befindet. Bleibt ein verschluckter Gegenstand trotz Sofortmaßnahmen weiterhin stecken, muss sofort ein Rettungsdienst gerufen werden.

Nachfolgende Anleitung / Erklärung habe ich von der Internetseite des DRK! Und ich hoffe es ist in Ordnung das ich mich dieser Ausführungen angenommen und sie verwendet habe?! Falls nicht, bitte kurze Nachricht an mich und ich lösche die Beschreibungen!

➡️Quelle: https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/ersticken/

Erstickungsgefahr erkennen

  • Atemnot
  • Evtl. starker Hustenreiz
  • Pfeifendes Atemgeräusch
  • Blau-/Rotfärbung des Gesichtes
  • Evtl. fehlende Atmung

Erste Hilfe Maßnahmen bei Ersticken

Fall 1: Der Betroffene kann sprechen, atmen und husten

  • Fordern Sie den Betroffenen auf, kräftig zu husten.
  • Bei ausbleibendem Erfolg: Notruf 112.
  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigen, betreuen, trösten und beobachten.

Fall 2: Der Betroffene kann nicht sprechen, atmen und husten

  • Dem nach vorne gebeugten Betroffenen bis zu fünf Mal zwischen die Schulterblätter schlagen, um den Fremdkörper zu entfernen.
  • Nach jedem Schlag überprüfen, ob der Fremdkörper sich gelöst hat.
  • Bei ausbleibendem Erfolg: Notruf 112.

Fall 3: Wenn der Betroffene zu ersticken droht

  • Der Helfer stellt sich hinter den Betroffenen.
  • Den nach vorne gebeugten Betroffenen mit beiden Armen von hinten um den Bauch fassen.
  • Eine geballte Faust in den Oberbauchbereich unterhalb des Brustbeins (zwischen Nabel und Brustbeinende) platzieren.
  • Mit der anderen Hand Faust umfassen und bis zu fünf Mal kräftig nach hinten oben ziehen.
  • Lässt sich die Atemwegsverlegung nicht beseitigen, müssen Rückenschläge und Oberbauchkompression im Wechsel solange durchgeführt werden, bis der Fremdkörper entfernt wurde oder der Rettungsdienst eintrifft.
  • Bei eintretender Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.

Hier noch ein Link zu einem kurzen Video zum Thema Kinder und Erstickungsanfall: https://m.youtube.com/watch?v=VqUqVNenwOQ

Habt alle einen schönen Abend und bleibt gesund!

…Gerne umsonst nach Hamburg…

Wir hatten bisher wirklich ein entspanntes und schönes Osterfest, aber leider – wie jeder andere von uns auch – in abgespeckter Variante. Wir haben uns sehr gefreut das Ben mit Vorliebe Osternester gesucht hat! Manchmal unterschätzen wir unser Großen! Er hat unterm Sofa geschaut und in Ecken – das er so aktiv dabei ist und ganz genau weiß war er zu tun hat, damit hatten wir in dem „Ausmaß“ nicht gerechnet!!!


Heute genießen wir noch den letzten Feiertag mit einem leckeren Stück Kuchen.
Dann beginnt der „Alltag“! Und Mittwoch erwartet uns ein wichtiger ArztTermin mit Ben in Hamburg.

Für dieJenigen zur Erklärung, die erst „neu“ bei uns sind. Es geht, um die vorläufige Diagnose einer schweren Hüftdysplasie und ob eine OP tatsächlich notwendig ist. Wir haben uns bereits eine 2. Meinung eingeholt – die sehr gegensätzlich zur Einschätzung des überweisenden Facharztes war. Die Aufregung und Sorge steigt langsam wieder. Wir hoffen so sehr das wir mit einer guten Nachricht – das keine OP notwendig ist – wieder nach Hause fahren können. Für diese positive Nachricht fahren wir sogar gerne „umsonst“ nach Hamburg. Wir haben zur Sicherheit auch noch einmal im Krankenhaus angerufen, um uns zu vergewissern das Christoph und ich, das wir beide – zu dieser Untersuchung mitkommen dürfen. Das wurde uns zum Glück zugesagt. Weder ich noch Christoph möchten diesen Termin alleine mit Ben bestreiten. Wir möchten beide bei dem Gespräch und der Meinung der Ärzte dabei sein, um auf dem gleichen Stand zu sein und genau zu wissen was Phase ist. Für jeden von uns sind doch unterschiedliche Informationen wichtig – jeder filtert sich seine wichtigsten Eckpunkte raus. Eine „detaillierte“ Wiedergabe – an den zu Hause gebliebenen Partner – eines solchen Termins finde ich mehr als schwierig bis fast unmöglich. Und 4 Ohren hören einfach mehr als 2 und ergänzen sich am Ende eines solchen Tages im Rahmen einer so wichtigen Entscheidung die wir eventuell für unseren Sonnenschein treffen müssen. Des Weiteren könnte es gut sein, das weitere Untersuchungen auf Ben warten und dann ist es schön für ihn wenn Mama und Papa an seiner Seite sein können, um ihm eine gewisse Sicherheit zu schenken. Der Tag wird uns ganz sicher wieder das eine oder andere graue Haar und Nerven kosten aber für unseren Ben nehmen wir alles in Kauf, auch die Tatsache das wir zu sehnlichst älter werden🤪!

Wir wünschen allen noch einen entspannten Ostermontag❤️🐇🐣!

Eure 4 Latzkows😘

Ben und die Ärzte…

Heute waren wir beim HNO-Arzt. Vierteljährliche Kontrolle. Das Paukenröhrchen aus dem rechten Ohr war bereits im Januar (OP war im Sommer 2019) wieder draußen, das „Röhrchen“ – ich war sehr über die Größe überrascht, es war miniklein – aus dem linken Ohr wurde heute entfernt. Die Belüftungssituation ist damit in beiden Ohren wieder sehr schlecht und wir müssen immer mit Ergüssen in beiden Ohr rechnen. Wir sollen Bens Ohren, auch bei warmen und sommerlichen Temperaturen unbedingt vor Wind schützen (Mütze / Stirnband), um Mittelohrentzündungen möglichst zu vermeiden. Es ist natürlich für Außenstehende immer ein komisches Bild, wenn ein Junge in Bens Alter bei warmen Temperaturen mit einer Mütze zu sehen ist – es hat aber seine berechtigten Gründe. Und wir achten da sehr drauf. Ich manchmal vielleicht etwas übertrieben, aber wer mehrmals hintereinander Mittelohrentzündungen bei seinem Kind erlebt hat, wird mich verstehen. Wir sollen darauf achten das Bens Nase immer frei ist. Dafür verwenden wir ab sofort wieder 2 x täglich eine Nasendusche die wir für Ben in der Apotheke besorgen. Seine Rachenmandel wurde bei der OP im Sommer gekappt – sie versperrte durch Infekte (dann vergrößert sich die Rachenmandel) die Gehörgänge von Bens Ohren. Dadurch konnte das Sekret oder auch Schnotter – weiß nicht wie ich das unverblümter beschreiben soll🤷‍♀️ – nicht ablaufen und suchte sich seinen Weg über die Ohren nach draußen.

…das die Gehörgänge bei Menschen mit Trisomie 21 ziemlich waagerecht verlaufen…

… bei uns „Normalos“ (wenn ich das so sagen darf😉) sind diese angeschrägt, kann Sekret z.B auch aus dem Nasenbereich nicht so gut abfließen und es entstehen diese Paukenergüsse. Die Ärztin begutachtete heute auch Bens Gaumenmandeln – die wirklich sehr groß sind (das ist uns Eltern auch bereits aufgefallen) – hoffen wir mal das die keine Probleme bringen und drin bleiben dürfen. Aber all diese Gegebenheiten tragen im ungünstigsten Fall dazu bei, das Ben sich mal wieder mit „leckenden Ohren“ und auch Schmerzen & Fieber quälen muss. Zudem hört Ben in diesen Situationen auch „noch“ schlechter – oder liegt das vielleicht auch am Alter des Austesten🙄🙈?! Momentan werden Operationen, um Paukenröhrchen zu setzen ausgesetzt. Aber wir bzw. unser Sonnenschein werden auf kurz oder lang wohl nicht um eine weitere OP rum kommen. Dann werden allerdings andere Röhrchen (längere) eingesetzt, damit sie für 2-3 Jahre im Ohr bleiben. Da bei dieser Operation keine Rachenmandeln gekappt werden muss, wird das ganze Ambulant erfolgen und Ben darf am selben Tag wieder mit nach Hause. Wenigstens das! Ende Mai haben wir den nächsten Kontrolltermin, hoffen wir mal das es bis dahin ruhig bleibt!

In der kommenden Woche Mittwoch folgt dann übrigens ein nächster, gefürchteter aber dennoch sehr wichtiger Termin für uns. Wir fahren mit Ben ins Kinderkrankenhaus nach Altona und hoffen sehr, das wir zum Thema „schwere Hüftdysplasie“ eine positive 3. Meinung bekommen werden. Drückt uns die Daumen!

Außerplanmäßiger Zahnarztbesuch😫.

Es ist Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr. Ich bekomm den Schock meines Lebens. Ben rutscht wie jedes andere Mal auch, die Rutsche runter. Wie jedes andere Mal steht einer von uns unten um ihn „aufzufangen“. Dieses Mal ich. Wie jedes andere Mal rufen wir gemeinsam „auf die Plätze fertig los“ und klatschen in die Hände. Wie jedes andere Mal freut Ben sich und dreht sich auf den Bauch. Wie jedes andere Mal rutscht er runter. Dieses Mal stoppt er allerdings nicht, wie jedes andere Mal, bevor die Rutsche zu Ende ist. Er gleitet mir durch die Arme, ich war nicht darauf vorbereitet das er dieses Mal bis zum Ende rutscht und meine sicheren Arme benötigt die ihn auffangen. Er kommt mit den Knien auf dem Boden vor der Rutsche auf und knallt mit voller Wucht mit dem Mund gegen das Metallende der Rutsche….😰

Mein Mutterherz ist geschockt und völlig überfordert. Ich habe mein schreiendes Kind in Windeseile zu mir auf den Arm genommen und bin zur nächsten Bank gerannt. Ich blendete alles um mich herum aus. Nicht einmal die anderen Eltern auf dem Spielplatz nahm ich mehr für voll. Mein Fokus war einzig und alleine auf Ben gerichtet. Ich wusste noch nicht wo genau Ben sich wehgetan hat bis er auf seinen Mund zeigte und ich mir seinen blutenden Mund und seine Zähne ansah😭😫. Ich war noch mehr erschrocken und hätte einfach nur laut SCHEIßE schreien können. Ich nahm wahr, das Ben sich die vorderen Zähne angeschlagen hat und teilweise Zahnsubstanz abgebrochenen war. Jetzt durchströmte meinen Köper die blanke Panik. Wir rannten fast nach Hause. Zu Hause nahm der Papa Ben entgegen und kühlte mit ihm die Lippe. Ben hatte sich im Gegensatz zu mir schon wieder beruhigt.

Gestern Abend fing es beim Essen wieder an zu bluten, mir wurde ganz schlecht und ich konnte gar nicht hinsehen. Die Angst das es doch schlimmer ist als erwartet stieg. Der Papa kümmerte sich ganz liebevoll um Ben. Er ging mit ihm ins Badezimmer zum Zähneputzen, Ben ließ sich das gut gefallen. Heute früh wachte er mit eine dicken Blutkruste am ganzen Mund auf. Ben knirscht nachts viel mit den Zähnen… wahrscheinlich hat das dazu geführt das die Wunde auch nachts wieder blutete.

Wir waren beim Zahnarzt, es ist soweit alles iO, was für eine Erleichterung!!!! Es wurde alles so kinderlieb vorbereitet, mit einer Handpuppe und einem Elefanten auf den Geräten – da war selbst ich fast furchtlos😉. Ob es Schäden am bleibenden Gebiss gibt ist fraglich. Wir sollen ihn die nächste Zeit beobachten. Einen weiteren Termin im Februar gibt es schon – unser eigentlicher Kontrolltermin – da wird dann nochmal geschaut, ob es Veränderungen gibt?! Drückt die Daumen das Ben Glück im Unglück hatte🙏😘 .

Ben schaute sich ganz genau an, wie man richtig Zähne putzt☺️👍.

Was aber auch wieder total beeindruckend zu beobachten war, Ben war so tapfer!!! Viel tapferer als ich es war🥴!! Aber in diesem Zusammenhang fragen wir uns sehr häufig, über welches Schmerzempfinden verfügt unser Kind. Sehr oft, eigentlich jedes Mal sagt Ben keinen Pieps und lässt alles fast ohne Murren über sich ergehen🤷‍♀️! Irgendwann wird er soweit sein und uns dazu vielleicht was sagen können.

Ersten Schritte😱

Was für ein mega Gefühl!!! Kurz vor Bens 3. Geburtstag macht er sich heute Abend selber eines der größten Geschenke!! Und er macht uns so so glücklich und stolz! Das ist für Ben ein mega Meilenstein! Ich weiß gar nicht ob ich es schon mal erwähnt hatte?! Die einzige „Angst“ bzw. eine der wichtigsten Fragen die wir mit Bekanntgabe der Diagnose Trisomie 21 hatte war, wird Ben laufen können! Die Emotionen kochen über, Pipialarm!

Throwback Reha – Part 5

Unser Wecker klingelte gegen 6 Uhr. Ich wollte genügend Zeit zum Fertig machen und für unser erstes Frühstück haben. Als ich wach wurde starrte ich auf die kahlen Zimmerwände und wusste sehr schnell wo ich war. Ben ist nicht wach geworden und ich konnte mich in aller Ruhe waschen und anziehen. Worüber ich mich sehr gefreut hatte, war ein Weihnachtskalender von der besten Schwiegermama auf der Welt. Dieser versüßte mir bis Weihnachten jeden Morgen!!!!😘❤️

Dann weckte ich Ben langsam. Er ist so gar kein Morgenmuffel und hatte sofort ein Lächeln für mich übrig, da war der Morgen für mich gerettet. Ich machte Ben fertig und dann gingen wir zum Frühstück. Da Ben noch nicht gelaufen ist, hatte ich immer unsere Sportkarre dabei.

Ich schnallte ihn fest und wir gingen zum Fahrstuhl. Das war auch jeden Tag ein Glücksspiel. Manchmal standen wir gefühlt Ewigkeiten vor den 3 Fahrstühlen und warteten. Durch die Karre mussten wir das eine oder andere Mal auf den nächsten Fahrstuhl warten, weil wir nicht mehr in den Aufzug passten. Gleich am Eingang der Kantine begann der erste Teil vom Frühstücksbuffet und wir konnten direkt einmal schauen, wo denn noch Platz wäre und ob schon jemand da ist, zu dem wir uns setzen konnten. Es war noch niemand da also brachte ich Ben zu einem Tisch unserer Wahl und holte anschließend Frühstück für uns beide. Das Angebot war okay. Es gab von allem etwas. Wir aßen in aller Ruhe, wir hatten ausreichend Zeit eingeplant. Ich musste Ben zu jeder Mahlzeit füttern und sollte mich selber dabei nicht vergessen. Das war schon manchmal eine Herausforderung. Aber Ben hat diese Situationen mit seiner Engelsgeduld super entspannt gemeistert. Es war aber auch nicht einfach Bens ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Ständig kamen neue Mamis, Papis und Kinder herein und er war laufend abgelenkt und beobachtete Alles und Jeden. Es war sehr aufregend für ihn, er saugte alles auf. Es war 7:45 Uhr, 8 Uhr sollte unsere erste Therapie starten. Die Therapiezettel bekamen wir ab sofort immer am frühen Nachmittag für den Folgetag an die Zimmertür geheftet. Heute an unserem ersten Tag, hatte Ben 5 Therapien auf dem Plan.

Seine erste Therapie war Einzel-Ergo. Einzel hieß das Ben alleine ohne andere Kinder zur Therapie eingeplant war. Jetzt mussten wir uns erstmal im Gebäude orientieren und zurecht finden🙈. Gefühlt war jede Therapie woanders und manchmal war nicht wirklich viel Zeit zwischen 2 Einheiten. Da musste ich ab und an schon mal etwas schneller gehen. Im ersten Termin besprachen die Ergo-Therapeutin und ich alles Wissenswertes zu Ben, damit sie die Therapie haargenau auf Bens Bedürfnisse abstimmen konnte. Das Prozedere wiederholte sich bei den anderen Therapeuten ähnlich. Und sie lernten Ben kennen, um die zukünftigen Termine ohne mich als Mama, durchführen zu können. Oh Gott… ich sollte ihn alleine lassen😱?! Mit der Leitung der Logo-Abteilung hatten wir den nächsten Termin. Sie kam zu uns auf die Station. Wir besprachen was Ben bereits konnte und woran wir in den nächsten Wochen arbeiten wollen und sie machte sich ein Bild von Bens Bedarfen. Entsprechend suchte sie eine passende Logopädin für Ben raus. Der Tag war sehr aufregend, aber Ben meisterte alles wie gewohnt mit Bravour!

Ich nahm mir vor die Zeit so gut es geht zu nutzen und zu „genießen“. Jeden Tag mit Ben Mittagsschlaf, abends früh ins Bett gehen (manchmal schlief ich schon 20:30 Uhr🙊), kein Haushalt, kein Essen machen müssen und die Zeit sehr intensiv mit Ben erleben bevor seine kleine Schwester zu uns stoßen sollte.

Throwback Reha / Part 4

Aufbruchstimmung machte sich breit. Ben und ich begleiteten Oma und Opa runter zum Ausgang. Mit einem Mal übermannte mich so ein Angstgefühl. Der Gang fiel mir so unglaublich schwer! Ich versuchte die Situation mit einem Lächeln erträglich zu machen. Ich versuchte mich für Ben zusammenzureißen und wollte es Sylvia und Manfred auch nicht schwer machen jetzt nach Hause zu fahren.

Es ist schon verrückt, wie einem so eine Situation auf den Magen schlagen kann. Das hätte ich nie gedacht und auch nicht von mir erwartet. Sylvia drückte Ben und mich so innig, der Kloß in meinem Hals rutschte immer tiefer. Dann streichelte sie uns über die Wangen und ihr Blick sagte, ich möchte euch am liebsten mit nach Hause nehmen. Ich hoffte das dieser komische Moment des Abschiedes endlich zu Ende ist, denn ich kämpfte so sehr mit meinen Tränen und meine Stimme wurde immer zittriger. Wir winkten Oma und Opa durch die Scheibe zu. Immer wieder drehten Sylvia und Manfred sich um und schauten nach uns.

Wir waren gar nicht ganz aus der Sichtweite, da brach es mitten im Eingangsfoyer aus mir heraus. Ich rettete mich, ungesehen, die ersten Meter mit Schluchzen zum Fahrstuhl. Dann brachen alle Dämme. So kannte ich mich gar nicht. Zusammennehmen funktionierte irgendwie so gar nicht, ich hatte das Gefühl das es nur noch mehr aufwühlte. Ben und ich gingen über den Flur zu unserem Zimmer. Ich versuchte runterzuschauen, wenn jemand auf uns zukam. Ich versuchte kurz klar zu kommen und mich zu fangen. Dann gingen Ben und ich Richtung Aufenthaltsraum. Wir begegneten den ersten Gleichgesinnten. Das Eis war wirklich schnell gebrochen und auch Ben fand sich super schnell ein.

Die ersten Mamis und Kinder hatten wir kennengelernt. Zum Abendessen mussten wir also auch nicht alleine sitzen😊.

Ben ist am Abend sehr schnell eingeschlafen. Er ist in meinem Arm eingeschlafen. Er schaute mich beim Einschlafen so süß an und lächelte mich an, als wenn er mich trösten wollte. Das war ein unbeschreiblich schönes Gefühl der Nächstenliebe, als wenn Ben spürte das die Mama doch ganz schön mit dieser neuen Situation zu kämpfen hatte. Er ist so ein Engel und hat mir in diesem Moment so sehr geholfen und Kraft geschenkt! Ich behielt ihn die erste Nacht bei mir im Bett, wir genossen die Nähe, uns zu haben und schliefen sehr gut! Ich schaute noch meine Daily Soap und schaltete dann den Fernseher aus, denn am nächsten Morgen hieß es 7:15 Uhr Frühstück und ab 8 Uhr Therapie.

Die erste Nacht haben wir uns mein Bett geteilt😊❤️.

Throwback Reha / Part 3

Am 11.12.2019 starteten Ben und ich also das Abenteuer Reha. Der Papa konnte uns aus beruflichen Gründen nicht fahren. Das haben Oma und Opa (Christophs Eltern) übernommen und uns bis zur Klinik – und hinein – begleitet und den Weg etwas einfacher gemacht.

Die Koffer waren gepackt, die letzten Dinge wurden verstaut und dann hieß es Abfahrt. Was wir jetzt vergessen haben wird dort gekauft. Oh Gott ist da überhaupt was zum „dort kaufen“?! Um ehrlich zu sein war die Zeit der Vorbereitung kurz und ein bisschen holperig. Wir wollten an alles gedacht haben – da haben wir uns über die örtlichen Gegebenheiten keine großen Gedanken gemacht. Aber wir hatten Glück☺️, es gab einen Rossmann und einen Rewe, mehr brauchten wir nicht😉. Wir sind gegen 7 Uhr los gefahren, bis 11 Uhr sollten wir zur Aufnahme in der Klinik sein. Wir sind gut durchgekommen und haben zwischendrin kleine Pausen eingelegt. Die Oma hat einen super Job gemacht und Ben die komplette Fahrt bespaßt und unterhalten😊👍. So gut das Ben es noch heute in Erinnerung hat und auch von uns einfordert🤪.

Wir näherten uns dem Standort der Klinik. 1 km noch, dann waren wir da. Wir waren fast auf die Minute pünktlich. Die Umgebung war im ersten Moment etwas befremdlich. Wenn ich an Reha denke, stelle ich mir viel Natur, viel Grün, eine idyllische Umgebung mit Wald und Wiesen für Spaziergänge, vielleicht auch einen See vor. Rundherum standen leere Häuser die auf ihre Renovierung warteten, gleich neben an gab es einen Friedhof, der zum Spazierengehen genutzt wurde, und das Gelände um die Klinik herum sollte nur mit Vorsicht betreten werden, da häufig Wildschwein anzutreffen sind.

Der Opa hat das Auto geparkt. Oma, Ben und ich sind schon mal zum Empfang gegangen und haben uns angemeldet. Wenig später hatten wir unser Aufnahmegespräch und wir bekamen alle Unterlagen und unser Zimmer genannt. Es war ein seltsames Gefühl in diesem Anmeldezimmer zu sitzen und zu wissen, dass wir die nächsten 4 Wochen hier verbringen werden, ohne Papa, ohne Oma und Opa. Nur Ben und ich ganz alleine auf uns gestellt. Es war ein sehr nettes Gespräch und uns wurde alles bestens erläutert.

Nach dem Gespräch wartete Opa bereits mit unserem Gepäck auf dem Flur. Da wurde mir erstmal bewusst, was wir alles mitgeschleppt hatten🙈. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl. Das mochte Ben gar nicht. Als wir unser Stockwerk erreichten, erklang ein Ton, Ben zuckte fast zusammen. Aber er gewöhnte sich im Laufe der Zeit daran.

Wir liefen über einen laaaangen Flur. Unser Zimmer war ganz am Ende.

Wir brachten die Sachen hinein und begutachteten unser Domizil für die kommenden Wochen. Etwas Ernüchterung machte sich breit. Ich wusste das es kein Hotel ist, aber ein bisschen mehr hatte ich erhofft. Anschließend sind wir gemeinsam in die Kantine zum Mittagessen gegangen. Ich merkte das ich immer leiser wurde, immer mehr in mich kehrte. Es wurde mir immer komischer im Bauch. Ich bin ein sensibler Mensch, der aber gerne eine harte Schale miemt🙄. Ich konnte meine ersten Tränen gerade noch so verstecken und trocknen ehe sie gesehen werden konnten. Vielleicht waren es auch zusätzlich die Schwangerschaftshormone?! Nach dem Essen gingen Ben und ich zurück aufs Zimmer. Ich fand mich schon damit ab, dass Oma und Opa jetzt fahren würden und wir uns verabschieden müssen. Aber sie wollten warten bis Ben seinen Mittagsschlaf gehalten hat. Oma und Opa gingen spazieren und erkundeten während Bens Pause die Gegend.

Ben hat seinen Mittagsschlaf seelenruhig in meinem Arm gehalten. Wir teilten uns mein Bett und kuschelten uns ganz fest aneinander, ich mich wohl etwas fester an Ben. Als wir wach wurden warteten Oma und Opa bereits auf uns. Sie berichteten uns von der Umgebung und was sie alles für uns ausfindig machen konnten. Langsam wurde es ernst und der unvermeidliche Abschied stand bevor, es lagen noch einige Kilometer vor ihnen. Ich weiß gar nicht recht wem der Abschied schwerer fiel. Oma und Opa oder uns (mir)❤️?!

Zwischen die beiden passt kein Blatt❤️.

Wie alles begann… Fortsetzung 17

Die ersten Stunden zu Hause haben wir also den Umständen entsprechend gut verlebt. Mit dem Monitor sind wir allerdings keine Freunde geworden, nicht bis zum letzten Tag.

Der tägliche Kampf um die Gewichtszunahme forderte uns alles ab. Unsere Nachsorgeschwester Ute brachte zu jedem Termin eine Waage mit. Jedes Mal bevor es auf die Waage ging wurde mir ganz komisch. Im Hinterkopf immer den Gedanken und Druck, Ben muss zugenommen haben. Es machte mich ganz unsicher, weil ich nicht abschätzen konnte, ob die Tage so gut waren das Ben genug zu sich genommen hat und vor allem das er nicht zu viel wieder erbrochen hatte. Was wir in der Zeit an Spucktüchern gewaschen haben war schon extrem. Es gab keine Mahlzeit ohne vollgespuckte Tücher und Schultern. Um einfach mehr Sicherheit zu bekommen und um nicht immer von Ute abhängig sein zu müssen, organisierten wir uns eine Babywaage aus der Apotheke. Voller Freude das ich nun auch täglich beobachten und kontrollieren konnte, ob bzw. das Ben zugenommen hat, holte ich die Waage ab. So einfach wie ich mir das vorstellte wars leider nicht. Irgendwie funktionierte die Waage nicht richtig und ich musste sie zurückbringen und bat um eine geeichte Ersatzwaage. Ich glaube um die 0,20 Euro zahlten wir pro Tag Ausleihgeühr für die Waage. Diese Gewissheit und Sicherheit die wir erlangten, war jeden Cent wert und ich würde es immer wieder genau so machen. Die zweite Waage funktionierte also einwandfrei und wir konnten ab sofort das Gewicht von Ben im Auge behalten.

Es gab ein Blatt Papier auf unserem Wohnzimmertisch. Auf diesem Blatt notierten wir täglich, zu welcher Seite gerichtet Ben geschlafen hat – damit er einen schönen Hinterkopf bekommt, wie viel Ben gewogen hat VOR und NACH dem Füttern – um nachvollziehen zu können wie viel Ben aus meiner Brust getrunken hat zzgl. Flaschengabe und wir somit eine Gesamt-ml-Angabe hatten pro Mahlzeit. Ben wurde immer nackig gewogen – ohne Windel – das hätte das Ergebnis verfälscht. Und wenn die Windel einmal vergessen wurde abzunehmen, musste Ben noch einmal auf die Waage. Ich war so akribisch und penibel beim Notieren, ich raubte Christoph damit definitiv das eine oder andere Mal den letzten Nerv.

Die ersten Tage zogen ins Land. Wir spielten uns sehr gut ein. Leider mussten wir immer wieder mit Ben und seiner Nahrungsaufnahme kämpfen. Ben hatte zwischendrin immer wieder Momente in denen er schon recht wach war. Darüber freuten wir uns sehr. Nach knapp 5 Tagen zu Hause, kontaktierten wir in unserer Sorge und Not dann aber unsere Nachsorgeschwester Ute. Ben trank wieder sehr schlecht und schlief ständig ein beim Trinken.

Während ich Ben stillte, war er teilweise fast vollständig entkleidet und nur noch mit einer Windel bedeckt – er sollte es nicht zu „gemütlich“ haben und dadurch einschlafen. Außerdem konnten wir ihn so viel besser zum Weitertrinken animieren, in dem wir über seine nackten, sanften Füßchen oder den blanken Rücken streicheln konnten. Es war jedes Mal eine sehr unbehagliche Situation. Ben sollte sich doch wohlfühlen, sich sicher wie geborgen fühlen, er sollte es warm haben und sich gut aufgehoben fühlen. Aber wir mussten ihn mit den genannten Maßnahmen wach halten, immer wieder zum Trinken drängen und keine gemütliche Atmosphäre – wie man es sich eigentlich als Mama und Papa wünscht – schaffen. Wir mussten unseren kleinen, schwachen und sehr dünnen Schatz immer wieder „ärgern“, so fühlte es sich manchmal an auch wenn wir tief in uns wussten, das es nur zu seinem Besten war. Nach diesen knapp 5 Tagen zu Hause, half aber immer weniger. Wir brauchten für 40 ml 1 geschlagene Stunde. Und Ziel waren 80 ml. Ihr könnt euch denken wie es in uns aussah. Die Anspannung stieg wieder und die Stimmung sank.