Throwback Reha – Part 5

Unser Wecker klingelte gegen 6 Uhr. Ich wollte genügend Zeit zum Fertig machen und für unser erstes Frühstück haben. Als ich wach wurde starrte ich auf die kahlen Zimmerwände und wusste sehr schnell wo ich war. Ben ist nicht wach geworden und ich konnte mich in aller Ruhe waschen und anziehen. Worüber ich mich sehr gefreut hatte, war ein Weihnachtskalender von der besten Schwiegermama auf der Welt. Dieser versüßte mir bis Weihnachten jeden Morgen!!!!😘❤️

Dann weckte ich Ben langsam. Er ist so gar kein Morgenmuffel und hatte sofort ein Lächeln für mich übrig, da war der Morgen für mich gerettet. Ich machte Ben fertig und dann gingen wir zum Frühstück. Da Ben noch nicht gelaufen ist, hatte ich immer unsere Sportkarre dabei.

Ich schnallte ihn fest und wir gingen zum Fahrstuhl. Das war auch jeden Tag ein Glücksspiel. Manchmal standen wir gefühlt Ewigkeiten vor den 3 Fahrstühlen und warteten. Durch die Karre mussten wir das eine oder andere Mal auf den nächsten Fahrstuhl warten, weil wir nicht mehr in den Aufzug passten. Gleich am Eingang der Kantine begann der erste Teil vom Frühstücksbuffet und wir konnten direkt einmal schauen, wo denn noch Platz wäre und ob schon jemand da ist, zu dem wir uns setzen konnten. Es war noch niemand da also brachte ich Ben zu einem Tisch unserer Wahl und holte anschließend Frühstück für uns beide. Das Angebot war okay. Es gab von allem etwas. Wir aßen in aller Ruhe, wir hatten ausreichend Zeit eingeplant. Ich musste Ben zu jeder Mahlzeit füttern und sollte mich selber dabei nicht vergessen. Das war schon manchmal eine Herausforderung. Aber Ben hat diese Situationen mit seiner Engelsgeduld super entspannt gemeistert. Es war aber auch nicht einfach Bens ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Ständig kamen neue Mamis, Papis und Kinder herein und er war laufend abgelenkt und beobachtete Alles und Jeden. Es war sehr aufregend für ihn, er saugte alles auf. Es war 7:45 Uhr, 8 Uhr sollte unsere erste Therapie starten. Die Therapiezettel bekamen wir ab sofort immer am frühen Nachmittag für den Folgetag an die Zimmertür geheftet. Heute an unserem ersten Tag, hatte Ben 5 Therapien auf dem Plan.

Seine erste Therapie war Einzel-Ergo. Einzel hieß das Ben alleine ohne andere Kinder zur Therapie eingeplant war. Jetzt mussten wir uns erstmal im Gebäude orientieren und zurecht finden🙈. Gefühlt war jede Therapie woanders und manchmal war nicht wirklich viel Zeit zwischen 2 Einheiten. Da musste ich ab und an schon mal etwas schneller gehen. Im ersten Termin besprachen die Ergo-Therapeutin und ich alles Wissenswertes zu Ben, damit sie die Therapie haargenau auf Bens Bedürfnisse abstimmen konnte. Das Prozedere wiederholte sich bei den anderen Therapeuten ähnlich. Und sie lernten Ben kennen, um die zukünftigen Termine ohne mich als Mama, durchführen zu können. Oh Gott… ich sollte ihn alleine lassen😱?! Mit der Leitung der Logo-Abteilung hatten wir den nächsten Termin. Sie kam zu uns auf die Station. Wir besprachen was Ben bereits konnte und woran wir in den nächsten Wochen arbeiten wollen und sie machte sich ein Bild von Bens Bedarfen. Entsprechend suchte sie eine passende Logopädin für Ben raus. Der Tag war sehr aufregend, aber Ben meisterte alles wie gewohnt mit Bravour!

Ich nahm mir vor die Zeit so gut es geht zu nutzen und zu „genießen“. Jeden Tag mit Ben Mittagsschlaf, abends früh ins Bett gehen (manchmal schlief ich schon 20:30 Uhr🙊), kein Haushalt, kein Essen machen müssen und die Zeit sehr intensiv mit Ben erleben bevor seine kleine Schwester zu uns stoßen sollte.

Throwback Reha / Part 4

Aufbruchstimmung machte sich breit. Ben und ich begleiteten Oma und Opa runter zum Ausgang. Mit einem Mal übermannte mich so ein Angstgefühl. Der Gang fiel mir so unglaublich schwer! Ich versuchte die Situation mit einem Lächeln erträglich zu machen. Ich versuchte mich für Ben zusammenzureißen und wollte es Sylvia und Manfred auch nicht schwer machen jetzt nach Hause zu fahren.

Es ist schon verrückt, wie einem so eine Situation auf den Magen schlagen kann. Das hätte ich nie gedacht und auch nicht von mir erwartet. Sylvia drückte Ben und mich so innig, der Kloß in meinem Hals rutschte immer tiefer. Dann streichelte sie uns über die Wangen und ihr Blick sagte, ich möchte euch am liebsten mit nach Hause nehmen. Ich hoffte das dieser komische Moment des Abschiedes endlich zu Ende ist, denn ich kämpfte so sehr mit meinen Tränen und meine Stimme wurde immer zittriger. Wir winkten Oma und Opa durch die Scheibe zu. Immer wieder drehten Sylvia und Manfred sich um und schauten nach uns.

Wir waren gar nicht ganz aus der Sichtweite, da brach es mitten im Eingangsfoyer aus mir heraus. Ich rettete mich, ungesehen, die ersten Meter mit Schluchzen zum Fahrstuhl. Dann brachen alle Dämme. So kannte ich mich gar nicht. Zusammennehmen funktionierte irgendwie so gar nicht, ich hatte das Gefühl das es nur noch mehr aufwühlte. Ben und ich gingen über den Flur zu unserem Zimmer. Ich versuchte runterzuschauen, wenn jemand auf uns zukam. Ich versuchte kurz klar zu kommen und mich zu fangen. Dann gingen Ben und ich Richtung Aufenthaltsraum. Wir begegneten den ersten Gleichgesinnten. Das Eis war wirklich schnell gebrochen und auch Ben fand sich super schnell ein.

Die ersten Mamis und Kinder hatten wir kennengelernt. Zum Abendessen mussten wir also auch nicht alleine sitzen😊.

Ben ist am Abend sehr schnell eingeschlafen. Er ist in meinem Arm eingeschlafen. Er schaute mich beim Einschlafen so süß an und lächelte mich an, als wenn er mich trösten wollte. Das war ein unbeschreiblich schönes Gefühl der Nächstenliebe, als wenn Ben spürte das die Mama doch ganz schön mit dieser neuen Situation zu kämpfen hatte. Er ist so ein Engel und hat mir in diesem Moment so sehr geholfen und Kraft geschenkt! Ich behielt ihn die erste Nacht bei mir im Bett, wir genossen die Nähe, uns zu haben und schliefen sehr gut! Ich schaute noch meine Daily Soap und schaltete dann den Fernseher aus, denn am nächsten Morgen hieß es 7:15 Uhr Frühstück und ab 8 Uhr Therapie.

Die erste Nacht haben wir uns mein Bett geteilt😊❤️.

Throwback Reha / Part 3

Am 11.12.2019 starteten Ben und ich also das Abenteuer Reha. Der Papa konnte uns aus beruflichen Gründen nicht fahren. Das haben Oma und Opa (Christophs Eltern) übernommen und uns bis zur Klinik – und hinein – begleitet und den Weg etwas einfacher gemacht.

Die Koffer waren gepackt, die letzten Dinge wurden verstaut und dann hieß es Abfahrt. Was wir jetzt vergessen haben wird dort gekauft. Oh Gott ist da überhaupt was zum „dort kaufen“?! Um ehrlich zu sein war die Zeit der Vorbereitung kurz und ein bisschen holperig. Wir wollten an alles gedacht haben – da haben wir uns über die örtlichen Gegebenheiten keine großen Gedanken gemacht. Aber wir hatten Glück☺️, es gab einen Rossmann und einen Rewe, mehr brauchten wir nicht😉. Wir sind gegen 7 Uhr los gefahren, bis 11 Uhr sollten wir zur Aufnahme in der Klinik sein. Wir sind gut durchgekommen und haben zwischendrin kleine Pausen eingelegt. Die Oma hat einen super Job gemacht und Ben die komplette Fahrt bespaßt und unterhalten😊👍. So gut das Ben es noch heute in Erinnerung hat und auch von uns einfordert🤪.

Wir näherten uns dem Standort der Klinik. 1 km noch, dann waren wir da. Wir waren fast auf die Minute pünktlich. Die Umgebung war im ersten Moment etwas befremdlich. Wenn ich an Reha denke, stelle ich mir viel Natur, viel Grün, eine idyllische Umgebung mit Wald und Wiesen für Spaziergänge, vielleicht auch einen See vor. Rundherum standen leere Häuser die auf ihre Renovierung warteten, gleich neben an gab es einen Friedhof, der zum Spazierengehen genutzt wurde, und das Gelände um die Klinik herum sollte nur mit Vorsicht betreten werden, da häufig Wildschwein anzutreffen sind.

Der Opa hat das Auto geparkt. Oma, Ben und ich sind schon mal zum Empfang gegangen und haben uns angemeldet. Wenig später hatten wir unser Aufnahmegespräch und wir bekamen alle Unterlagen und unser Zimmer genannt. Es war ein seltsames Gefühl in diesem Anmeldezimmer zu sitzen und zu wissen, dass wir die nächsten 4 Wochen hier verbringen werden, ohne Papa, ohne Oma und Opa. Nur Ben und ich ganz alleine auf uns gestellt. Es war ein sehr nettes Gespräch und uns wurde alles bestens erläutert.

Nach dem Gespräch wartete Opa bereits mit unserem Gepäck auf dem Flur. Da wurde mir erstmal bewusst, was wir alles mitgeschleppt hatten🙈. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl. Das mochte Ben gar nicht. Als wir unser Stockwerk erreichten, erklang ein Ton, Ben zuckte fast zusammen. Aber er gewöhnte sich im Laufe der Zeit daran.

Wir liefen über einen laaaangen Flur. Unser Zimmer war ganz am Ende.

Wir brachten die Sachen hinein und begutachteten unser Domizil für die kommenden Wochen. Etwas Ernüchterung machte sich breit. Ich wusste das es kein Hotel ist, aber ein bisschen mehr hatte ich erhofft. Anschließend sind wir gemeinsam in die Kantine zum Mittagessen gegangen. Ich merkte das ich immer leiser wurde, immer mehr in mich kehrte. Es wurde mir immer komischer im Bauch. Ich bin ein sensibler Mensch, der aber gerne eine harte Schale miemt🙄. Ich konnte meine ersten Tränen gerade noch so verstecken und trocknen ehe sie gesehen werden konnten. Vielleicht waren es auch zusätzlich die Schwangerschaftshormone?! Nach dem Essen gingen Ben und ich zurück aufs Zimmer. Ich fand mich schon damit ab, dass Oma und Opa jetzt fahren würden und wir uns verabschieden müssen. Aber sie wollten warten bis Ben seinen Mittagsschlaf gehalten hat. Oma und Opa gingen spazieren und erkundeten während Bens Pause die Gegend.

Ben hat seinen Mittagsschlaf seelenruhig in meinem Arm gehalten. Wir teilten uns mein Bett und kuschelten uns ganz fest aneinander, ich mich wohl etwas fester an Ben. Als wir wach wurden warteten Oma und Opa bereits auf uns. Sie berichteten uns von der Umgebung und was sie alles für uns ausfindig machen konnten. Langsam wurde es ernst und der unvermeidliche Abschied stand bevor, es lagen noch einige Kilometer vor ihnen. Ich weiß gar nicht recht wem der Abschied schwerer fiel. Oma und Opa oder uns (mir)❤️?!

Zwischen die beiden passt kein Blatt❤️.