Rückschlag – Orthopädie

Heute hat es uns eiskalt erwischt. Es fühlt sich irgendwie ein bisschen wie ein Abschied – der bis hierher immer nur guten Prognosen und Nachrichten – an. Die 3. Woche in Folge war Christoph mit Ben beim Orthopäden. Die erste Woche wurde ein Ultraschall und ein Abdruck für Schuheinlagen gemacht. Die Ärztin wollte nach dem Ultraschall gern ein Röntgenbild von Bens Hüfte. Als Eltern ist man beim Thema Röntgenbilder ja schon alarmiert – diese Strahlen möchte man seinem Kind in dem Alter ja eigentlich so lange ersparen wie es nur geht. Aber anscheinend tat es Not. Und Christoph und Ben machten sich letzte Woche das 2. Mal auf den Weg nach Rostock zum Röntgen. Leider spielte die Technik nicht mit und die Bilder konnten nicht gedruckt werden – was nicht bedeutete das Ben noch mal geröntgt werden musste – sondern nur dass das Ausdrucken nicht klappte! Daher heute der nächste, der 3. Termin! Die Auswertung.

Während ich im Haus bisschen Fensterrahmen putzte für die morgige Bauvorabnahme – waren Ben und Christoph wieder in Rostock. Ich freute mich als die beiden gegen 9:15 Uhr wieder zurück waren. Diese Freude wandelte sich rasch in eine kleine Schockstarre. Ich nahm Christophs finstere Miene zu erst gar nicht wahr – der Hausbau zerrt und da sehen wir alle gerade etwas „durch“ aus. Er hatte kein Lächeln im Gesicht als er vom Arztbesuch anfing zu erzählen. Er kam direkt auf den Punkt – Ben „muss“ operiert werden – an der Hüfte – weitere Details lasse ich an dieser Stelle vorerst aus. Wie jetzt operieren, fragte ich?! Was denn operieren?! Ihr wart doch nur zur „Auswertung“ in Rostock. Das diese negativer Natur sein könnte – hatte ich zu keiner Zeit in Betracht gezogen.

DIAGNOSE: Schwere Hüftdysplasie mit grober Stufenbildung in der Menard-Shenton Linie.

Stille, Unsicherheit, fragende Blicke und zusammengekniffene Augenbrauen erfüllten den Raum. Unsere Stimmung war und ist es immer noch auf dem Nullpunkt. 2 Überweisungen wurden uns mitgegeben, einmal für eine Klinik in Rostock und alternativ für Hamburg Altona. Da wurde mein Cousin mit einer ähnlichen Geschichte operiert.

Ich war etwas verwirrt Und wie vor den Kopf gestoßen, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Bisher war immer alles so positiv. Unser 2. Gedanke – nach diesem großen schwarzen Loch mit 1000 Fragezeichen – eine Zweitmeinung. Wir riefen sofort bei einem anderen Orthopäden der Ben auch bereits kennt – an und konnten für Montagnachmittag einen Termin vereinbart und werden mit den Bildern dort noch einmal vorstellig bevor wir uns einen Termin in einem der Krankenhäuser organisieren.

Ben und ich machten uns mit gedrückter Stimmung auf den Weg. Er wollte zuerst nicht und ich versprach ihm noch fix zu seiner Uroma zu fahren, um einmal hallo zu sagen. Damit bekommen wir ihn immer!

Ben liebt seine Uroma Krrrrrrch alias Ingrid so

Es fiel mir unheimlich schwer mir vor meiner Oma nichts anmerken zu lassen – ich wollte sie nicht unnötig beunruhigen. Ich konnte meine Stimmung fürs Erste mit Lenis Schlaf und der Hausbauphase abtun. Dann fragte sie darf Ben mit mir so an der Hand laufen – ja klar Oma. In dem Moment schossen mir fast die Tränen in die Augen – ich konnte sie gerade noch runterschlucken und tief durchatmen. Wenn Ben tatsächlich operiert werden muss – dann wird das mit dem Laufen, das Ben sich so mühevoll und hart erarbeitet hat, worauf er so stolz ist und was er momentan immer mehr festigt – erstmal wieder vorbei sein. Er wird für diesen Meilenstein, auf den wir so lange hingefiebert haben – wieder von vorne beginnen müssen zu kämpfen. Es wird ein gravierender Rückschritt für Ben sein – für mich persönlich mein erster richtig herber Rückschlag mit dem ich mich erst einmal auseinandersetzen muss, den ich aber ganz sicher nur schwer akzeptieren und ertragen kann. Und ich bin mir sicher, das es auch Christoph extrem schwer fällt diesen Gedanken zuzulassen.

Es lässt mir das Blut in den Adern gefrieren, wenn ich nur daran denke was diese Operation für Ben bedeutet. Welche Zeit diese Operation und die Tage und Wochen danach bedeuten. Welche Herausforderungen das bedeutet (Jobs, die Entfernung falls es Altona wird, wie wird Ben das alles verstehen können, wie lange wird es dauern das er wieder laufen kann, was bedeutet es für Leni und unser Familienleben usw.). Ich setze eine Menge Hoffnung in den Termin / Zweitmeinung in der kommenden Woche – bin aber auch realistisch genug, um zu verstehen das es auch einfach nur eine Bestätigung der Diagnose sein kann.

3 Gedanken zu „Rückschlag – Orthopädie

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