Wie alles begann… Fortsetzung 17

Die ersten Stunden zu Hause haben wir also den UmstÀnden entsprechend gut verlebt. Mit dem Monitor sind wir allerdings keine Freunde geworden, nicht bis zum letzten Tag.

Der tĂ€gliche Kampf um die Gewichtszunahme forderte uns alles ab. Unsere Nachsorgeschwester Ute brachte zu jedem Termin eine Waage mit. Jedes Mal bevor es auf die Waage ging wurde mir ganz komisch. Im Hinterkopf immer den Gedanken und Druck, Ben muss zugenommen haben. Es machte mich ganz unsicher, weil ich nicht abschĂ€tzen konnte, ob die Tage so gut waren das Ben genug zu sich genommen hat und vor allem das er nicht zu viel wieder erbrochen hatte. Was wir in der Zeit an SpucktĂŒchern gewaschen haben war schon extrem. Es gab keine Mahlzeit ohne vollgespuckte TĂŒcher und Schultern. Um einfach mehr Sicherheit zu bekommen und um nicht immer von Ute abhĂ€ngig sein zu mĂŒssen, organisierten wir uns eine Babywaage aus der Apotheke. Voller Freude das ich nun auch tĂ€glich beobachten und kontrollieren konnte, ob bzw. das Ben zugenommen hat, holte ich die Waage ab. So einfach wie ich mir das vorstellte wars leider nicht. Irgendwie funktionierte die Waage nicht richtig und ich musste sie zurĂŒckbringen und bat um eine geeichte Ersatzwaage. Ich glaube um die 0,20 Euro zahlten wir pro Tag AusleihgeĂŒhr fĂŒr die Waage. Diese Gewissheit und Sicherheit die wir erlangten, war jeden Cent wert und ich wĂŒrde es immer wieder genau so machen. Die zweite Waage funktionierte also einwandfrei und wir konnten ab sofort das Gewicht von Ben im Auge behalten.

Es gab ein Blatt Papier auf unserem Wohnzimmertisch. Auf diesem Blatt notierten wir tĂ€glich, zu welcher Seite gerichtet Ben geschlafen hat – damit er einen schönen Hinterkopf bekommt, wie viel Ben gewogen hat VOR und NACH dem FĂŒttern – um nachvollziehen zu können wie viel Ben aus meiner Brust getrunken hat zzgl. Flaschengabe und wir somit eine Gesamt-ml-Angabe hatten pro Mahlzeit. Ben wurde immer nackig gewogen – ohne Windel – das hĂ€tte das Ergebnis verfĂ€lscht. Und wenn die Windel einmal vergessen wurde abzunehmen, musste Ben noch einmal auf die Waage. Ich war so akribisch und penibel beim Notieren, ich raubte Christoph damit definitiv das eine oder andere Mal den letzten Nerv.

Die ersten Tage zogen ins Land. Wir spielten uns sehr gut ein. Leider mussten wir immer wieder mit Ben und seiner Nahrungsaufnahme kĂ€mpfen. Ben hatte zwischendrin immer wieder Momente in denen er schon recht wach war. DarĂŒber freuten wir uns sehr. Nach knapp 5 Tagen zu Hause, kontaktierten wir in unserer Sorge und Not dann aber unsere Nachsorgeschwester Ute. Ben trank wieder sehr schlecht und schlief stĂ€ndig ein beim Trinken.

WĂ€hrend ich Ben stillte, war er teilweise fast vollstĂ€ndig entkleidet und nur noch mit einer Windel bedeckt – er sollte es nicht zu „gemĂŒtlich“ haben und dadurch einschlafen. Außerdem konnten wir ihn so viel besser zum Weitertrinken animieren, in dem wir ĂŒber seine nackten, sanften FĂŒĂŸchen oder den blanken RĂŒcken streicheln konnten. Es war jedes Mal eine sehr unbehagliche Situation. Ben sollte sich doch wohlfĂŒhlen, sich sicher wie geborgen fĂŒhlen, er sollte es warm haben und sich gut aufgehoben fĂŒhlen. Aber wir mussten ihn mit den genannten Maßnahmen wach halten, immer wieder zum Trinken drĂ€ngen und keine gemĂŒtliche AtmosphĂ€re – wie man es sich eigentlich als Mama und Papa wĂŒnscht – schaffen. Wir mussten unseren kleinen, schwachen und sehr dĂŒnnen Schatz immer wieder „Àrgern“, so fĂŒhlte es sich manchmal an auch wenn wir tief in uns wussten, das es nur zu seinem Besten war. Nach diesen knapp 5 Tagen zu Hause, half aber immer weniger. Wir brauchten fĂŒr 40 ml 1 geschlagene Stunde. Und Ziel waren 80 ml. Ihr könnt euch denken wie es in uns aussah. Die Anspannung stieg wieder und die Stimmung sank.

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