Wie alles begann… Fortsetzung 3

… endlich hielten wir Ben Noah das erste Mal in unserem Arm.

Dieser Moment war so überwältigend und gleichzeitig auch so ernst. Wir hatten gar nicht viel Zeit diesen mega schönen Augenblick der Dreisamkeit zu genießen. Klar wollten wir als Eltern auch wissen was das Ganze jetzt für Ben und natürlich auch uns bedeutet. Aber die Zeit des ruhigen Kennenlernens blieb uns leider verwehrt. Ben Neo

Ein Satz wird wohl nie wieder aus Christophs und meinem Kopf verschwinden: „Ben Noah scheint an allem vorbeigeschrammt zu sein.“ Okay, was bedeutet das denn jetzt? Das kann dir zu diesem Zeitpunkt leider auch noch niemand sagen und es wird sich auch kein Mensch auf dieser Welt dazu hinreißen lassen eine Prognose abzugeben. Die Bandbreite von bis ist einfach viel zu groß. Was uns zweifellos gesagt werden konnte und das ist auch für uns aber vor allem für Ben ein riesen Geschenk gewesen, das unser Schatz keinen Herzfehler hat. Ein erstes großes Aufatmen. Und auch sonst sah organisch alles wunderbar aus.

Ein Thema das mir mächtig Bauchschmerzen bereitet hat war, wird Ben laufen können? Aus dem sehr engen und vertrauten Familienkreis, weiß ich ansatzweise, wenn ich diese Einschränkung auch nicht in voller Gänze nachempfinden kann, was es bedeutet ein Kind zu haben das im Rollstuhl sitzt. Es ist eine unfassbar hohe körperliche Belastung, die mit den zunehmenden Jahren, Wachstum und Körpergewicht definitiv nicht leichter wird. Hut ab vor der Leistung aller betroffener Eltern, Geschwister, Pfleger dieser Welt und die ich jetzt vergessen habe.

Ein zweiter Satz der sich sehr bei uns eingebrannt hat: „Diese Kinder suchen sich ihre Eltern aus.“ Wenn man diese Worte das erste Mal gesagt bekommt, fühlt man sich sogar etwas besonders – vielleicht sogar so besonders wie Ben selbst. Im Laufe der folgenden Tage begegnete uns dieser Satz allerdings so häufig, das er für uns rein gar nichts mehr mit „besonders“ zu tun hatte. Uns ist bewusst, das uns ausschließlich Gutes damit getan werden sollte. Die Menschen um uns herum versuchten die „Tatsache“ mit solchen Sätzen zu rechtfertigen, so hatten wir zumindest manchmal das Gefühl. Sie wollten uns überzeugen das wir die „Auserwählten“ sind – aber nun glaubte man nicht mehr an das Besondere in seiner eigenen Person, dieser Satz hatte für uns seine Magie verloren und innerlich verdrehten wir die Augen, wenn wieder jemand diesen Satz begann. Wir liebten unseren Sohn, vom ersten Augenblick an zu 100%, durch die Diagnose vielleicht sogar noch ein ganzes Stück mehr. Egal welche Extras er mitgebracht hatte, wir waren fein mit der Situation. Ich weiß gar nicht recht wie ich das beschreiben soll – ich glaube das all die lieben Menschen um uns herum versuchten eine Bindung zwischen Ben und uns Eltern aufzubauen, die es natürlich seit dem ersten Moment der Geburt bereits gab. Wahrscheinlich hatten sie Befürchtungen, dass wir uns gegen unser Kind entscheiden könnten oder mit der Situation nicht zurecht kommen. Sie haben mit Sicherheit schon einige unbehagliche Momente mit anderen Eltern erlebt. Ich stelle diesen Gedankengang einfach in den Raum – ohne bösen Hintergedanken aber ich musste ihn loswerden. Ich möchte niemanden angreifen und möchte ausdrücklich betonen das wir einfach nur so froh über jede Unterstützung, Unterhaltung (denn wir wussten rein gar nichts über das Down Syndrom, außer das ein verkürztes Nasenbein ein Softmarker sein könnte), offenen Worte und Herzlichkeit waren.

An dieser Stelle sagen wir danke an ALLE jene die für uns da waren, die an uns geglaubt haben sowie die die auch heute noch an unserer Seite sind. Und wisst ihr was das aller geilste ist, niemand, wirklich kein einziger Mensch hat sich von uns abgewendet, im Gegenteil das Interesse ist riesengroß. Wir sind soooo mega stolz euch alle an unserer Seite zu wissen!

10 Gedanken zu „Wie alles begann… Fortsetzung 3

  1. Diesen Satz mit dem Aussuchen der Eltern – haben wir auch oft gehört. Sollte uns trösten. Ich finde es sehr gut, dass ihr diesen Blog macht, werde immer aufmerksam lesen. Viel Glück und liebe Grüße aus Riesa.🥰

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    • Liebe Andrea, erstmal herzliche Grüße nach Riesa und vielen Dank für deine schönen Worte! Es sind wahrscheinlich immer etwas ähnliche Situationen die wir Eltern erleben. Schön das du unserem Blog deine Aufmerksamkeit schenkst, das freut uns wirklich sehr. Wenn du magst und dir danach ist einmal etwas loszuwerden, kannst du auch gerne einen eigenen Bericht verfassen. Wir planen einen Menüpunkt „Gast“, auf dem wir super gerne diverse weitere Stimmen sprechen lassen möchten. Komm dann gerne auf mich zu, wenn das nichts für dich ist, ist das gar nicht schlimm, du bist ja trotzdem als Leserin dabei😊👍.

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    • Liebe Kira😘 vielen Dank! Geht mir ganz genauso, ich durchlebe es ebenfalls noch einmal & es ist verblüffend an wie viel ich mich noch erinnere…! Es ist so viel auf einmal passiert damals, das konnten wir so detailliert gar nicht wiedergeben. Dafür jetzt😊👍 Ganz viel Spaß beim Lesen und sich weiterhin überraschen lassen.

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  2. Ich finde mich in so vielen Situationen wieder.😊
    Allerdings war bei uns damals schön (Ich habe in Itzehoe entbunden), dass uns alle einfach nur zu unserer Tochter gratuliert haben. „Das andere“ war erstmal nebensächlich. Den Satz mit dem Aussuchen haben wir aber auch gehört, aber wirklich nur 1-2 mal.
    Lg

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