Wie alles begann… Fortsetzung 6

Die Tage im Krankenhaus waren lang und kräftezehrend. In den Pausen und Schlafzeiten von Ben sind wir meistens in die Cafeteria gegangen. Wir haben was getrunken und was gegessen. Nebenbei haben wir Formulare ausgefüllt und uns um die Anträge gekümmert.

Immer wieder hatten wir Gespräche mit den Ärzten. Immer wieder teilten Sie uns mit das alles bestens aussah. An einem Tag wurde sein Herz, Nieren, Blase alles mögliche mit dem Ultraschall untersucht. Es waren jedes Mal aufregende Momente mit der stillen Hoffnung das sie wieder nichts ungewöhnliches finden. Man stand daneben und verstand oftmals nur Bahnhof. Wir hatten wieder Glück! Das Glück verfolgte uns… manchmal fragte man sich wann das wohl vorbei sein wird, mit dem Glück.

Ich wurde nach 5 Tagen entlassen, ich musste & wollte nach Hause. Ich hätte auch in einem Zimmer in dem Bettenhaus vom Krankenhaus unterkommen können. Das wollte ich aber nicht. Wenn ich schon nicht direkt bei meinem Kind bleiben kann, dann wollte ich wenigstens nicht alleine und bei meinem Mann sein, ich wäre verrückt geworden in diesem Zimmer und für Ben hätte ich von da aus auch nichts tun können. Ich hatte die Vorstellung zu Hause etwas Ruhe in der gewohnten Umgebung zu bekommen und Kraft für die kommenden Tage tanken zu können.

Tagsüber waren wir immer von 9-20 Uhr im Krankenhaus und nachts bekam Ben die Flasche mit meiner Muttermilch… nachts war an Anlegen – rein kräftemäßig – gar nicht zu denken.

Und dann war er da, der Tag der irgendwann kommen musste… vor dem ich so Angst hatte…verließ uns jetzt etwa das Glück…??

29.01.2017 der voraussichtliche Tag der Entlassung. Die 37+0 Schwangerschaftswoche wäre erreicht gewesen und die 2. Voraussetzung, das Ben sein Geburtsgewicht wieder erreicht hat – wäre auch gegeben gewesen.

Gegen eine Entlassung sprachen aber leider auch wesentliche Punkte.

An diesem Tag ist ein Bild entstanden. Die Eitelkeit ließ es mich bis heute im Archiv verstecken. Christoph verschickte dieses Bild damals – in unsere Familien-WhatsApp Gruppe – folgende Reaktion kam: „Du siehst aber ernst aus.“ …

Damals war ich Christoph „böse“, das er dieses Bild gemacht und dann auch noch verschickt hat. Heute bin ich froh es zu haben. Es gehört einfach zu Bens und auch unserem Weg als Eltern dazu und transportiert meiner Meinung nach die Gefühlslage dieser Situation zu 100%.

Wusstest du schon?

Ich habe mir überlegt, wie ich wohl ganz unkompliziert und heimlich😬 nebenbei den Einen oder Anderen mit Informationen zum Down Syndrom erreichen kann ohne dabei lehrhaft zu wirken oder lange wissenschaftliche Texte zu verfassen.

Meine Idee💡,ich werde ab sofort regelmäßig „Wusstest du schon“ (vielen Dank 😘an meine liebe Freundin Kira fürs lettern) veröffentlichen. Es werden kurze, knappe Fakten zum Thema Down Syndrom sein.

Beginnen wir heute mit dem Wort HYPOTONIE = verminderte Muskelspannung

Beispiel = die Zunge tritt leicht aus dem Mund hervor.

Wie alles begann… einige Reaktionen

… Bis bald, euer Ben Noah.

Was für ein Text von Christoph, oder? Der Papa ziert sich noch etwas auch paar Zeilen für den Blog zu schreiben, er könne das nicht, sagt er. Ich denke nach dieser Nachricht kann er davon niemanden überzeugen. Wozu so ein kleines Wesen doch nur fähig ist – es schafft das wir über uns hinauswachsen und Dinge schaffen die wir von uns selber nie gedacht und erwartet hätten. Nun war es also raus & wir warteten gespannt und aufgeregt auf die ersten Reaktionen.

Gebannt starrten wir im Sekundentakt aufs Handy, wann traut sich wohl der erste etwas zu antworten & was wird der / die schreiben?

Und dann ging’s los. Wir wurden von so vielen positiven Worten überrascht. Was aber auch interessant war, es wurde teilweise gar nicht auf Bens Besonderheit eingegangen, wir wurden einfach nur zur Geburt beglückwünscht. Wie toll!!

Danke an die 4 Menschen die mir gestattet haben ihre Reaktionen jetzt und hier zu veröffentlichen.

Reaktion von unserer Freundin Kira

Ach meine Liebe Christin, ich habe bis eben Tränen vergossen! Ihr seid stark und tapfer und schon jetzt die besten Eltern die sich klein Ben Noah nur wünschen kann!❤ wir sind immer für euch da!! Und Hedda freut sich schon auf ganz viele Playdates in der Zukunft! Ihr habt eine ganz bezaubernde Nachricht verfasst!❤ ich drück euch ganz fest und bin so stolz auf euch!

Reaktion von unserer Freundin Nadine

Guten morgen meine Liebe, ich hoffe du hast das nicht falsch verstanden. Ich bin gestern mit Absicht nicht auf die Trisomie des kleinen Ben eingegangen, da ihr gesagt habt wir sollen uns euch gegenüber ganz normal verhalten 😉. Des Weiteren weiß ich ja gar nicht was das für den Kleinen und euch, und euer Leben bedeutet, selbstverständlich werden wir das alles ganz bald und persönlich besprechen. Klar ist ja: ihr habt jetzt einen wundervollen Jungen in eurem Leben und da kam es mir komisch vor eine mitleidige und traurige Nachricht zu senden. Dafür weiß ich auch zu wenig über Trisomie. Denn Fakt ist ja auch: ihr seid stark und voller Liebe, und werdet alle Schwierigkeiten meistern.
Ich wünsche euch einen tollen Tag und dann kannst dich immer an mich wenden. Ich hoffe du weißt das.
Ich hab dich ganz Doll lieb
😘💙❤💚

Reaktion von unserer Freundin Kathy

Wow! Ich bin überwältigt von deinen Worten! 🤧
Die Bilder sind so süß!
Ich freue mich schon riesig Ben kennenzulernen. 😍
Kinder sind ein Geschenk, die unser Leben bereichern, egal wie viele Herausforderungen sie für uns bereit halten. Und wenn ein Tag noch so anstrengend u frustrierend verläuft, es wird in dem Moment ein schöner Tag, indem unsere Kinder uns mit einem Lächeln ansehen, in den Arm nehmen oder einfach „Mama“ sagen und wir wissen, wie unglaublich lieb sie uns haben.
Ben ist anders als viele anderen Kinder, aber er bleibt euer Sohn, der euch liebt u euer Leben im überwiegend positiven Sinne bereichern wird. ☺
Erwartungsgemäß werdet ihr noch vor vielen Herausforderungen stehen, aber ich freue mich für Ben, dass er eine großartige Mami bzw Eltern hat, die all diese Herausforderungen mit viel liebe mit ihm meistern werden. Da mache ich mir keine Sorgen. 😘
Ich freu mich schon auf euch und hoffe, dass morgen alle Werte stimmen.

Reaktion von unserem Freund Basti

Das hast du sehr schön geschrieben Stine 🤗 ich weiß, dass ihr stark genug seid, um alle Herausforderungen zu meistern und ihr könnt euch sicher sein, dass Kathy und ich auch immer da sein werden, wenn ihr uns braucht ☺ ich freue mich schon drauf, den kleinen süßen bald mal live zu sehen 👍🏻 kann es kaum erwarten…und für morgen sind meine Daumen fest gedrückt, dass alle Werte stimmen und ihr nach Hause dürft…viele Grüße von euerm Lieblingsbasti

Wie alles begann – Zissy … Eine Reaktion

Vorwort

Liebe Zissy, vielen ❤️ Dank für deine überraschend schnelle Reaktion auf meine Nachfrage, ob du etwas für den Blog schreiben würdest / möchtest?! Ich war gestern Abend ziemlich getroffen (im positiven Sinn😘) und gerührt von deiner Nachricht 😭 – und du dachtest du findest nicht die richtigen Worte!! Da dein Geschriebenes so perfekt zu dem gestrigen Beitrag passt, muss ich ihn heute einfach zeigen…❤️ Los geht es.

Als ich gestern meine Tochter von der Kita abgeholt habe, habe ich meinen Freund Ben getroffen. Unglaublich wie freundlich dieser kleine Kerl immer ist…

Ich war so voller Vorfreude, als mein Lieblings-Kumpel Sladdi mir verkündet hat, dass er auch Vater wird! Sladdi- wir beide- ich mit Tochter und du mit Sohn
Genialer geht es doch nicht !

Als Christin mich gestern gefragt hat, ob ich einen Blogeintrag schreiben könnte, hatte ich ein wenig Angst, ob ich die richtigen Worte finde, aber als gestern nochmal die WhatsApp zur Geburt von Ben in den Blog gestellt wurde, waren wieder alle Emotionen da.
Noch vor dieser Gruppen WhatsApp hat Christoph mich voller Freude über Die Geburt von Ben informiert.

Endlich war er da…
Ich hab mich so gefreut für meinen Lieblings-Freund.

Einen Tag später piepste mein Handy wieder…
Die Nachricht traf mein Herz wie ein Donnerschlag.
Ich glaube ich habe die Worte meines Freundes 10 mal gelesen, weil mir immer wieder die Tränen kamen.

Alle Eltern wissen wie lebensverändernd ein Kind sein kann. Nichts ist mehr so wie es mal war und um ehrlich zu sein…manchmal ist es sogar ganz schön kräftezehrend und man hat Ängste die man vorher nie kannte.
Wie wird es also meinen Freunden ergehen? Denn ein Baby mit Besonderheiten fordert die beiden doch umso mehr!?!?

Ich googelte den ganzen Abend das Down Syndrom und wusste am Ende, dass ein ganzes Stück Arbeit auf Christin und Sladdi zukommen wird.
Ich stellte mir vor, dass die beiden vielleicht die gleichen Ängste haben.

Ich bewundere euch für alles was ihr für Ben macht, für all die Liebe, alle Hindernisse die ihr bewältigt, alle Arzttermine die ihr meistert, für all die Kämpfe die ihr für ihn kämpft.
Ihr macht euren Eltern-Job großartig. Ben hat Glück bei euch gelandet zu sein und ihr habt Glück so ein wunderbares Kind zu haben.

Wir als Freunde haben nichts weiter zu tun als den kleinen Kerl lieb zu haben und dieses Gefühl habe ich sofort empfunden als ich Ben das erste mal gesehen habe.

Wie alles begann… die Nachricht

Heute ist ein guter Tag um euch mit der ersten WhatsApp an unsere Freunde zu versorgen. Verfasser war der Papa und ich muss gestehen, ich war so gerührt von den Worten die er gefunden hat, das hätte ich von meinem Mann beim besten Willen nicht erwartet. Mir sind beim Schreiben dieses Beitrages wieder die Tränen gekullert. Ich bin einfach nur so stolz! Du mein Schatz bist der beste Papa den ich mir für unsere zwei Wunder nur vorstellen kann😘. (Originaltext vom 24.01.2017)

Hallo, mein Name ist Ben Noah Latzkow!
Ich bin am 22.01.2017 um 2.25 Uhr 5 Wochen zu früh auf die Welt gekommen! Ich bin schon 50 cm groß und habe ein Kampfgewicht von 2630g😂.
Mir und meinen Eltern geht es sehr gut! Ich bin kerngesund und von Tag zu Tag werde ich immer agiler. Ich trinke fleißig jeden Tag, damit ich schnell nach Hause darf. Meine Werte und Organe sind alle super und funktionstüchtig!
Ich habe nur einen kleinen Makel, wenn man es so sagen will:
Ich habe Trisomie 21 (Down Syndrom)! Aber das ist überhaupt nicht schlimm!
Mein Papa war am Anfang geschockt aber dann kam er schnell zu mir guckte mich an und sagte „mir doch egal, du bist mein Sohn!!!“ Und meine Mama ist überglücklich, dass ich da bin!
Meine Omas und Opas haben mich auch schon besucht und sie waren auch von mir überwältigt.
Meine Eltern haben mir auch gesagt das sie die besten Freunde haben. Und ich kleiner Mann habe gleich eine Bitte an euch: behandelt mich ganz normal, ich bin es auch, werdet ihr schon noch sehen😂.
Papa hat mir erzählt das ich irgendwann mit den ganzen Onkels in die Ostsee gehe und mit ihnen Blödsinn machen werde und das ich auch mit Papa und Onkel Stone Snowboard fahren werde. Dann sagt er auch, dass das Grillen sehr groß geschrieben wird oder Onkel Poldi?! Da freu ich mich auch drauf. Also ihr seht dass wird noch lustig mit mir und ich werde auch alles machen was ihr macht.
Ihr könnt dann auch meinen Eltern Fragen stellen, dass ist kein Problem. So lange sie es können beantworten Sie euch alles😂.
Ich hab auch schon so große Hände und Füße wie mein Papa und Mama wird schon ganz schlecht, wenn sie an die Schuhe denkt😂! So genug jetzt von mir ich freue mich euch alle kennen zu lernen! Bis bald euer Ben Noah.

Wie alles begann… Fortsetzung 5

… stillen, schaffen wir das?

Mit dem Abpumpen funktionierte nun alles, mal besser, mal bisschen schlechter – aber es ging voran. Jetzt stand uns der wirklich schwierige Teil bevor. Thema Hypotonie und stillen.

Diese beiden Wörter passen so gar nicht zueinander. Die Hypotonie kann unter anderem bedeuten das der Mundschluss nicht richtig funktioniert, die Zunge ist zu schlapp und der Gaumen spielt auch eine Rolle. Die Stillschwester begleitete mich auf die Neonatologie. Ich war ganz aufgeregt und versuchte mich nicht so unter Druck zu setzen. Nun hatte ich Ben in meinem Arm und wir starteten unseren ersten Versuch.

Leider wurde ich schnell wieder geerdet und meine Vorfreude schwand dahin. Es wollte einfach nicht klappen. Das Problem war dieser angesprochene schlaffe Muskeltonus. Ben fehlte einfach die Kraft und wir hatten Probleme das seine Zunge die richtige Position fand. Immer wieder „klebte“ sie an seinem Gaumen.

Okay, es war der erste Versuch. Der zweite wird folgen. Auch beim nächsten Mal klappte es einfach nicht, immer wieder versuchte die Stillschwester Bens Kopf, Mund und Zunge mit meiner Brust in die richtige Position zu bringen. Wir wollten ihn nicht zu sehr damit stressen und vertagten. Ich war sehr geknickt, jetzt funktionierte das mit der Milch aber ich schaffte es nicht mein Kind zum Trinken zu bekommen. Bei den nächsten Versuchen kamen Stillhütchen zum Einsatz. Der Mund von Ben war aber so klein das wir erstmal die richtige Größe finden mussten. Es schien jetzt besser zu klappen, wieder versuchte die Stillschwester Ben und mich zusammenzubringen. Ich war so happy als Ben am 26.01.2017 tatsächlich die ersten 25 g zu sich nahm. Woher ich das mit den 25 g so genau weiß – Ben wurde vor und nach jedem Trinken gewogen. Allerdings blieb es auch für diesen Versuch bei den 25 g, aber wir wussten nun, das es eine Chance gab. Jetzt nicht aufgeben war die Devise! Was mich an dieser Situation sehr berührte, die Stillschwester hat vor Rührung und Begeisterung sogar Tränen vergossen. In dem Moment wurde mir bewusst, das sie – mein Fels in der Brandung – vielleicht auch einen Moment daran gezweifelt haben könnte, das wir es schaffen. Sie meinte es ist ein kleines Wunder das Ben das hinbekommen hat, vor allem weil er auch ein Frühchen war. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Ich bin so dankbar, das sie nicht aufgegeben hat und diese Phase mit mir durchlebt und mir zur Seite gestanden hat!

Der Weg war also geebnet… jetzt hieß es durchhalten & geduldig sein. Durch die Hypotonie fiel es Ben sehr schwer lange zu trinken. Es gingen immer nur ein paar Schlucke, dann ist er völlig erschöpft eingeschlafen, den Rest gab es dann aus der Flasche. Immer wieder mussten und sollten wir ihn mit drücken bestimmter Punkt oder reiben des Rückens zum Wachbleiben und Weitertrinken animieren. Jede Mahlzeit dauerte unwahrscheinlich lange, aber wir hatten ja alle Zeit der Welt. Ohne Stillschwester verzweifelte ich an einigen Tagen am eigentlichen Anlegen – zum Glück waren die Schwestern der Station zur Stelle und haben ebenfalls mit viel Liebe, Zuversicht und Geduld alles versucht um Ben und mich zusammenzubringen. Die Zunge, immer wieder ging die Zunge zum Gaumen… aber zusammen schafften Ben und ich diese Hürde💪❤️.

Familie

Vorwort

Liebe Stephie (Schwester von Christoph), als ich dich gefragt habe, ob du was für unseren Blog schreiben magst, hab ich mich sehr über dein promptes „ja“ gefreut! Und noch mehr habe ich mich über den folgenden Text gefreut. Was ich ausgesprochen mutig finde ist, dass du absolut ehrlich und auch von deinen „Ängsten“ geschrieben hast! Das möchten wir genauso zum Ausdruck bringen. Wir wollen auch diese Gedankenwelt darstellen und zeigen das es total okay ist einen oder auch mehrere Momente der Ohnmacht, wie du es beschrieben hast, zu verspüren. Jeder in seinem Tempo. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen (sei es durch Fachliteratur oder durch Fragen an uns) und zu entdecken das es weitaus „Schlimmeres“ im Leben gibt als ein Extrachromosom. Das ist ein Wunsch von uns. Es ist für uns als Eltern so schön, liebe Stephie, die Freude und Offenheit zwischen Ben und dir zu beobachten. Danke an dich und deinen Mut dich hier zu öffnen und deine Gedanken mit uns zu teilen und vor allem deine lieben Worte an uns. Und jetzt gehts los.

Das Ben Noah geboren war hab ich viel zu spät mitbekommen. Es war Sonntag früh und wir haben 5 Wochen vor dem Termin nicht damit gerechnet. Es war ein aufregender Tag. Und ein aufregender Abend als wir von Christoph erfuhren mit welcher Besonderheit er auf die Welt gekommen ist. Es hat einige Tage gedauert bis sich der Gedanke bei mir gesetzt hat. Ich hab versucht mich zu belesen…so viele Informationen die ich doch nicht zu einem Bild zusammenbringen konnte. Eine gewisse Ohnmacht machte sich breit. Und damit Unsicherheit. Es waren schwere Tage für mich. Ich konnte ihn nicht besuchen. Noch keinen Kontakt zu meinem besonderen Neffen aufbauen. Ich wollte irgendetwas tun. Aber es gab noch nichts zu tun für ihn. Oder doch…sich einfach mit dem Gedanken arrangieren und weniger aufgeregt sein. Zuversicht haben. Das weiß ich heute – rückblickend. Als ich ihn einige Tage später das erste Mal besuchen konnte und er so winzig wie er nun mal war, zu Hause in seiner Wiege lag war es wunderschön. Er schlief ganz ruhig. Wie alle Babys das nun mal machen. Ben Noah hat sich bis zu Hause durchgekämpft und war sich seines Weges gar nicht bewusst. Für ihn ist alles ganz normal.

Warum erscheint es uns oft anders? Weil unsere eigene Unsicherheit uns zögern lässt und nur diese Unsicherheit das Unbekannte seltsam erscheinen lässt.

Ben hat einen zauberhaften, ehrlichen Humor und ansteckende Begeisterung. Ich kann es nicht erwarten seinen Blick zu erhaschen wenn wir als Besuch durch die Tür kommen, sein breites Grinsen wenn wir zum Spielplatz gehen, die Begeisterung immer wieder die Bücher mit den vielen Tieren anzuschauen. Wie alle anderen Kinder auch.

Von links: Onkel Tobi, Ben, Tante Stephie und der Papa beim Kugelbahn aufbauen.

Danke an Ben Noahs Eltern Christoph und Christin die uns als Familie in der besonderen Situation an die Hand genommen und durch den Alltag mit ihm geführt haben. Zwanglos. Unverklemmt. Offen. Bereit für alle Fragen. Ihr seid wunderbar!

Wie alles begann… Fortsetzung 4

… die ersten Stunden mit unserem Engel lagen hinter uns.

Insgesamt mussten wir Ben 8 Tage auf Station 7 immer wieder „alleine“ lassen. Ein ewig schweres ein- und ausatmen beim Verlassen des Zimmers quälte Christoph und mich. Ich war so froh das mein Mann jeden Tag von morgens bis abends bei uns war. Die ersten 5 Tage durfte ich auf der Entbindungsstation verweilen und anfangs im 3 Stunden, wenig später im 4 Stundenrhythmus zu den Flaschenzeiten, Windeln wechseln und zum Kuscheln zu Ben.

Ein wesentliches Merkmal der Menschen mit Down Syndrom ist die sogenannte Hypotonie die sich durch den kompletten Körper zieht – auf Deutsch und in meinen Worten – schlaffer Muskeltonus (teilweise ohne / mit geringer Spannung). Warum ich das an dieser Stelle anbringe? Weil diese Tatsache einen meiner emotionalen Momente prägte, das Thema stillen!

Bevor Ben geboren wurde war ich schon in voller Vorfreude auf diese intimen und innigen Momente des Stillen. Ich wollte es unbedingt, dieses Gefühl der Nähe, meinem Kind etwas von mir geben außer Liebe, Wärme und Geborgenheit. Er sollte in jedem Fall die gute Muttermilch mit all ihren wertvollen Nährstoffen für ein gesundes Wachstum bekommen. Wie sich herausstellte sollte das ein hartes aber nicht unmögliches Stück Arbeit werden. Ich hatte zu meinem Glück eine unheimlich engagierte Stillschwester um mich herum, die mich zwischendrin als ich so verzweifelt war aufbaute.

Ich verbrachte wie geschrieben die ersten 5 Tage auf der Entbindungsstation. Dort konnte ich mir eine Milchpumpe holen und sollte nun abpumpen. Für mein Kind, was nicht bei mir war, bei seiner Mama, wie all die anderen kleinen Wesen die in den Zimmern ihrer Mütter sein durften.

Jede Mutter kennt das Gefühl und die Schmerzen des Milcheinschusses, wenn es einfach nur noch wehtut. Genauso ging es mir auch. Nur wollte nichts rauskommen. In meiner Verzweiflung versuchte ich alle Tipps von der Stillschwester, meiner Hebamme und meiner Frauenärztin, aber irgendwie half nichts. Unter Tränen saß ich auf meinem Bettrand und kam mir wie eine Versagerin vor.

Ich konnte mein Kind nicht stillen geschweige denn dafür sorgen das Ben meine Muttermilch bekommt – der größte Fauxpas den ich mir für mich persönlich vorstellen konnte. Ich ging erneut auf die Stillschwester zu, um nochmals um Rat zu fragen. Sie hat sich viel Zeit für mich genommen und das Abpumpen mit mir zusammen gemacht. Und siehe da es hat auf einmal super geklappt… . Sie glaubte es war psychisch und meinte es kann auch an der Unruhe im Zimmer gelegen haben, ständig kam Besuch für meine Bettnachbarin – und ich saß da in dieser sehr intimen Situation wie ein Schluck Wasser mit der Pumpe, was denke ich jede Frau nachvollziehen kann – sehr unangenehm ist, wenn ständig fremde Menschen raus und rein gehen. Zu dem habe ich all die anderen glücklichen Mamis mit ihren Kindern auf der Station gesehen, die ihre Kinder stets und ständig anlegen konnten – das machte schon was mit mir. Und zu guter letzt kam der Stress und das Wissen hinzu, das ich Ben schon bald ganz alleine im Krankenhaus lassen sollte. Es zerriss mir das Herz 💔.

Endlich mal wieder grillen.

Was für ein herrlich entspanntes Wochenende. Wir mussten uns um fast gar nichts kümmern. Wir waren Samstag wie am heutigen Sonntag zum Grillen eingeladen. Es gibt ja echt wenig was mich am Sommer nervt…aber grillen gehört mittlerweile dazu🙈.

Lazy saturday… uns war am Samstagvormittag nach gar nichts. Fand der Papa glaube ich auch ganz gut, denn er war Freitagabend unterwegs😉. Wir haben den kompletten Vormittag vertrödelt. Wir haben bei Oma und Opa gefrühstückt, danach haben Leni und Ben ein wenig gespielt.

Mein Mädchen wurde dann nochmal sehr müde und wollte etwas schlafen, da hat Ben die Gunst der Stunde erhascht und ist mit Oma und Opa seiner Wege gegangen. Es wurde ein ausgiebiger Spaziergang. Die Molli wurde bestaunt, mittlerweile wird das auch ganz genau geplant wann wir an den Mollischienen zum Winken sein müssen☺️, also wenn ihr einen knuffigen kleinen Kerl am Bahnübergang herzergreifend winken seht – winkt unbedingt zurück. Anschließend ging es zu den Enten am Karpfenteich – nach dem Rechten schauen und bisschen Brot da lassen & am Spielplatz kamen die 3 natürlich auch nicht vorbei. Nicht zu vergessen die Gockel-Hühner, die Mähhh-Schafe und das Plätscher-Wasser😊.

Nach lazy saturday folgt working sunday😬Nach einem schönen ausgiebigen und entspannten Frühstück, haben sich meine beiden Männer mit dem Fahrrad auf den Weg Richtung Heiligendamm begeben. Ben liebt seine Ostsee und den Strand, er ist ein richtiges Küstenkind.

Die Mama hat die Zeit auch effektiv genutzt und während Leni friedlich ihren Vormittagsschlaf nachging die Wohnung auf Hochglanz „geputzt“🤪💪. Am Nachmittag waren wir zur Abwechslung mal wieder zum Grillen🙈 und gemütlichen Zusammensitzen eingeladen. Vielen Dank an die Gastgeber, es war ganz wunderbar und lecker😘. Die Kinder spielten herrlich zusammen, selbst Ben war total aufgeschlossen und wollte mitten drin sein und nicht wie so oft schon beobachtet „am Rand sitzen“ und zusehen.

Jetzt liegen alle im Bett und die Ellis lassen diesen schönen Tag entspannt ausklingen. Habt ihr nicht auch langsam die Nase voll vom Grillen, also ich bin echt grillsatt! Schönen Sonntagabend und einen entspannten Start in die neue Woche.

Freundschaft

Mein Vorwort

Liebe Juri, ich danke dir vielmals, dass du dich getraut hast und den Startschuss für unsere Gastseite gibst! Ich habe so gespannt deinen Text gelesen. Ich weiß gar nicht wovor du „Angst“ hattest? Ich wurde überrascht und von meinen Gefühlen überwältigt und auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen packt es mich wieder, es ist sehr emotional für mich als Mutter & Freundin zu lesen😘. ❤️Es ist so schön dich und all die anderen lieben Menschen die uns begleiten, um uns zu wissen❤️! Und jetzt viel Freude beim Lesen.

Eure Christin

 

Am 22.01.2017 erreichte mich das Foto von meiner lieben Freundin Christin und Ihrem süßen kleinen Ben Noah. Etwas früher als erwartet. Ich war so aufgedreht und voller Freude für diese kleine Familie. Denn genauso wie wir hatten Christin und Christoph auch einen nicht so einfachen Weg zu diesem Glück. Dazu vielleicht an anderer Stelle mehr. Da ich mich selbst im 3. Trimester befand, lechtze ich nach jeder Information über die Ankunft dieses zauberhaften Wesens.

Ein Baby…ein Wunder…einfach nur Liebe…

Und auch wenn sie sich noch nicht kannten, wusste ich, dass der kleine Kerl und unsere kleine Tochter einen großen Teil ihrer Kindheit zusammen verbringen werden. Und die Vorfreude war so groß.

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Christin schickte mir ein Foto von den beiden, welches ich immer und immer wieder anschaute. Dieses süße Kerlchen. Einmal hatte ich für eine Millisekunde kurz den Gedanken: „Er sieht aus wie ein kleiner Asiate, Down-Syndrom??“. Sofort schüttelte ich den Kopf, verwarf den Gedanken wieder.

Am nächsten Abend saßen mein Mann und ich auf dem Sofa, und dann kam die „Informationsnachricht“ von Christoph an den Freundeskreis über die Trisomie 21 von Ben. (Und nein Christoph, ich nehme es dir nicht mehr übel, dass ich nicht in der WhatsAPP Gruppe war 😦 ;-)… )

Wir waren bewegt und mit einmal wieder hellwach, bis in die Nacht saßen wir mit unseren Handys in der Hand, nebeneinander und versuchten alles Mögliche über Trisomie 21 im Internet herauszufinden. Die Bandbreite an Informationen war riesig. Unterm Strich war zunächst wichtig, dass Ben keinen Herzfehler hatte, oder andere bisher erkennbare organische Einschränkungen hat.

Also wie wird es für unsere Freunde sein, die Eltern von Ben??? Keine Ahnung.

Wie wird es für meinen Mann und mich sein, Eltern von unserem kleinen Mädchen zu sein? Keine Ahnung.

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Wann wird Ben laufen können? Wann wird unser Mädchen laufen können? Wir wissen es nicht.

Welche Krankheiten müssen wir im Laufe der Jahre erleben müssen? Das können wir nicht sagen.

Was ich wusste: Bei diesen Fragen macht die Chromosomenanzahl, in Bens Fall, auch keinen Unterschied.

Was ich wusste: Die Liebe zum Kind ist nicht abhängig von Chromosomenzahl.

Und das wollte ich meine liebe Freundin spüren lassen. Das es in dieser Zeit nicht nur um Besonderheiten, Einschränkungen, Behinderungen und Ängste geht. Und ich hoffe Christin hat meine Nachrichten in dieser Zeit richtig verstanden, und mir nicht übel genommen, dass es nicht um die Trisomie ging. Sondern um all die Details, die Mütter sonst austauschen: Gewicht, Größe, Stillen, Schmerzen, wem sieht er ähnlich.

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Denn es geht um ein Baby…ein Wunder…einfach nur Liebe…

Was einen weiter auf diesem Weg erwartet, kann man nie voraussagen, man kann entscheiden, WIE man diesen Weg beschreitet.